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Children Of Bodom 2015
Children Of Bodom/Insomnium/Sylosis, 03.12.2015, Helsinki – Jäähalli

Eigentlich sollten am 3. Dezember 2015 in Helsinkis Jäähalli (Eishalle) Lamb Of God als Headliner auf der Bühne stehen – supportet von Children Of Bodom und Sylosis. Doch es kam ganz anders…

…denn die US-Amerikaner brachen in der KW 47 ihre Europa-Tournee überraschend ab – aus Sicherheitsgründen. Der Auslöser? Die Terroranschläge in Paris am 13. November 2015, bei denen u.a. über 80 Menschen in der Event-Location Bataclan starben, wo an jenem Abend die US-Band Eagles Of Death Metal gastierte. „Due to concerns brought to our attention by the venue security team in Tilburg – and continued general concerns across Europe – we have decided against putting our fans, our crew and ourselves in this position night after night and will be canceling the remainder of our performances in Europe”, so das offizielle Statement von Lamb Of God zur Tourabsage. „This is a decision we are making on behalf of the fans, our crew, and our band, as well as the well-being of everyone’s family, friends and loved ones at home. Stay safe, and we will see you very soon.”



Das blieb natürlich nicht ohne Folgen für die Support-Bands Children Of Bodom aus Finnland und Sylosis aus Großbritannien: Zahlreiche Konzerte vor allem in Deutschland fielen komplett ins Wasser. Andere Shows wie die in Helsinki konnten glücklicherweise gerettet werden – und COB waren plötzlich Headliner, während die Melodic-Death-Metaller von Insomnium ganz spontan die Lamb-Of-God-Lücke füllten. Das erste Warm-up übernahmen allerdings die Thrash-Metaller Sylosis – mit Erfolg, obgleich sich viele Frühankömmlinge zu jenem Zeitpunkt im hinteren, abgesperrten Hallenbereich vor der Theke tummelten, um sich noch ein Bierchen zu gönnen. In Finnland ist es nämlich nicht gestattet, direkt vor der Bühne zu „bechern“. Diejenigen, die sich vor jener bereits versammelt hatten, wärmten zu den Klängen von etwa „Mercy“ und „Altered States Of Consciousness“ schon einmal ihre Nackenmuskulatur auf, schüttelten die Köpfe und rempelten sich gegenseitig in einem kleinen Circle Pit an. Doch nicht jeden Zuschauer konnten die vier Musiker derart vom Hocker reißen, wie es schien.



Diese Aufgabe erledigte schon eher das nächste Quartett auf der Bühne: Insomnium. Eine volle Stunde war den Finnen gegönnt, die Eishalle mit ihren melodischen Death-Metal-Klängen weiter aufzuheizen – allerdings wieder einmal ohne Gitarrist und Sänger Ville Friman. In letzter Zeit kam es häufiger vor, dass Ville bei Live-Auftritten fehlte, zumal er in London lebt und beruflich stark eingebunden ist. An seiner Stelle übernahm einmal mehr Jani Liimatainen (u.a. ex-Sonata Arctica) die Gitarrensaiten und das Mikrofon für die klaren Vocals. Es ging ohnehin nur um ein paar Liedzeilen, denn im Fokus der Band steht grundsätzlich Bassist Niilo Sevänen mit seinen tiefen Growls.



Die Fans durften sich an jenem Abend über Songs wie „The Killjoy“, „Revelation“, „Where The Last Wave Broke“, den Ohrwurm „Unsung“ sowie den Kracher „Ephemeral“ freuen und quittierten die energiegeladenen Performances mit jeder Menge Headbanging. Auch die „Trinker“ aus dem hinteren Hallenbereich hatten sich mittlerweile vor der Bühne eingefunden, so dass die große Location wahrlich nicht mehr leer wirkte. Gitarrist Markus Vanhala, der Alexi Laiho von COB in Sachen Fingerfertigkeit am Saiteninstrument durchaus das Wasser reichen kann, verwöhnte die Hörer mit zahlreichen Soli. Doch leider mussten sich Insomnium schon nach einer knappen Stunde Gesamtspielzeit mit dem etwas entspannteren „The Promethean Song“ vom Publikum verabschieden und die Bühne für die Headliner freigeben.



Rasch wurde das große Insomnium-Banner im Hintergrund gegen ein ebenso großes Banner mit den Buchstaben „COBHC“ und dem Sensenmann ausgetauscht, ein paar Instrumente wurden  hin- und hergeräumt und Kabel umgelegt – und schon konnte pünktlich um 21.15 Uhr das Konzert von Children Of Bodom beginnen. Die Eishalle hatte sich mittlerweile bis in die hinterste Ecke gefüllt, so dass an Frieren wahrlich nicht mehr zu denken war. Alexi Laiho und seine Jungs stürmten mit „Are You Dead Yet?“ die Bühne und verwandelten den Saal von der ersten Minute an in einen kochenden Hexenkessel, in dem jede Menge Haare und Circle Pits herumwirbelten. Das schien die Finnen sichtlich zu freuen; generell waren sie guter Dinge und rissen wohl – den Lachern im Publikum nach zu urteilen – einige Witze in ihrer Landessprache.



Obgleich die Metaller kürzlich mit „I Worship Chaos“ ein neues Album auf den Markt gebracht haben, spielten sie von diesem nur wenige Stücke, darunter die Single „Morrigan“, das flotte „I Hurt“ sowie den Titeltrack. Ansonsten lieferten die fünf Herren einen guten Mix aus allen bisherigen Alben, wobei sie auch immer wieder die düstere Bodom-Thematik aufgriffen – etwa in „Bodom Beach Terror“, „Lake Bodom“ und „Silent Night, Bodom Night“. Bekanntlich geht auch der Name der Band auf den finnischen See Bodominjärvi zurück, der nahe Helsinki liegt und an dem im Jahr 1960 drei zeltende Jugendliche grausam ermordet wurden. Im neuen Jahr soll es dazu übrigens einen passenden Horrorfilm geben – aber das nur am Rande.



Da es bei Children Of Bodom in diesem Jahr einen Besetzungswechsel gab – Gitarrist Roope Latvala ist aus der Band ausgeschieden –, erhielten die Musiker auf der Bühne Live-Unterstützung von Antti Wirman, dem jüngeren Bruder von COB-Keyboarder Janne. Letzterer spielte sein Instrument wie immer in Schräglage und griff zwischendurch auch mal zum Mikro, um einen Song anzukündigen. Später lieferte er sich mit Alexi, der übrigens ein T-Shirt seines Nebenprojekts The Local Band trug, ein Keyboard-Gitarren-Duell, während im Publikum der x-te Circle Pit rotierte. Mit „Bodom After Midnight“ verabschiedeten sich die Fünfe schließlich nach gut 75 Minuten Spielzeit von der Bühne, nur um wenige Minuten später – durch lautstarke Zugabe-Rufe zurückgelockt – doch noch einen weiteren Song zu spielen: „Downfall“. Ein insgesamt gelungener Abend, an dem wohl niemand die Band Lamb Of God vermisst hat…

Text & Fotos: Lea S.

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