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Crematory (II)
Interview mit Markus Jüllich [Crematory], 10.01.2014, phoner



Gerade noch wurde aufs Jahr 2014 angestoßen, doch Ende Februar gibt es schon den nächsten Grund zum Feiern: Die Gothic-Metaller von Crematory veröffentlichen ihr neues Album "Antiserum". Auf diesem ist allerdings Endzeitstimmung angesagt, wie Bandgründer Markus Jüllich verrät.

Markus, bist du gut ins neue Jahr gekommen?


Markus: Ja, ganz entspannt. Mit Kindern ist das nicht mehr so wie es mal früher war. Man steht um Mitternacht auf der Straße mit Knallteufeln in der Hand. [lacht]

Habt ihr bei euch zu Hause gefeiert?


Markus: Ja, wir haben uns mit Nachbarn und Freunden, die auch kleine Kinder haben, zu einem gemütlichen Sit-in getroffen. Das war ganz entspannt.

Wie viele Kids hast du denn?

Markus: Ich habe zwei Töchter – sechs und zehn Jahre alt.

Na dann kann ich verstehen, dass es nur Knallfrösche gab. Aber kommen wir zu Crematory: Ihr startet ins neue Jahr mit einem frischen Album, das bereits seit Oktober fertig ist. Wie lange habt ihr insgesamt am Album gearbeitet – vom Songwriting bis zum Mastering?

Markus: Wir haben nie kontinuierlich daran gearbeitet. Wir hatten diesmal eine ganz andere Herangehensweise. Die Basis kreierten wir zusammen mit Elmar von der Hamburger EBM-Band Centhron. Wir setzten uns zunächst einmal zusammen und überlegten, was wir auf dem neuen Album machen wollen. Grundsätzlich haben wir immer einen Arbeitstitel und einen roten Faden. Und diesmal war es unsere Idee, EBM mit Metal zu kombinieren. Da wir Elmar schon länger kennen und er schon immer mal Remixe für uns machen wollte, zumal er auch ein Crematory-Fan ist, entschlossen wir uns dazu, ihn am Album mitwirken zu lassen. Er sollte dann einfach mal zehn Crematory-Songs in seinem EBM-Style schreiben. Das hat fast ein dreiviertel Jahr gedauert. Außerdem wird im EBM-Bereich komplett anders gearbeitet als etwa im Rock- und Metal-Bereich, wo es Strophen, Refrains und einen Mittelpart gibt. Katrin musste also die Basis, die Samples und Keyboards von Elmar, in Hooklines und Klaviermelodien umarbeiten. Es gab also einen Zwischenprozess. Dann entfernte ich die ganzen "Bumm-Bumm-EBM"-Bassdrums bzw. tauschte sie gegen reale Drums aus. Daraufhin musste das komplette Schlagzeug ausgearbeitet werden. Erst danach widmeten wir uns dem Rest: Gitarre, Bass und Gesang. Das ging dann aber recht flott, denn das ist das, was wir kennen. Doch es hat fast anderthalb Jahre gedauert, der Basis mit ihren Keyboards, Samples und dem "Bumm Bumm" unseren Crematory-Stempel zu verpassen. Familiär- und jobbedingt ist es natürlich auch so, dass wir nicht täglich an einem Album arbeiten, sondern nur wie wir Lust und Zeit haben. Hinzu kam noch, dass unser Produzent länger krank war, was uns auch nochmals fast ein halbes Jahr an Zeit kostete. So zögerte sich die gesamte Produktion ein wenig hinaus. Doch da wir ohnehin keinen Plattenvertrag hatten, gab es auch keinen Stress und ich konnte mich als Manager in Ruhe parallel zum Songwriting um einen neuen Labeldeal kümmern.

Wie ist das bisherige Feedback zur ersten Single "Shadowmaker" und zum Video?

Markus: Saugut. [lacht] Wir sind bereits seit sechs Wochen in den Top 10 der DAC-Charts. Das Video hat auf Youtube knapp 40.000 Klicks. Natürlich gibt es wie immer auch Nörgler, die alles scheiße finden. Bei "Revolution" war das auch schon so, als wir das erste Mal elektronische Elemente in unsere Songs eingebaut haben. Allerdings gewannen wir sehr viel mehr Fans hinzu, als wir damals verloren. Außerdem machen wir die Musik natürlich auch für uns. Wir wollen nicht 30 Jahre lang immer den gleichen Mist spielen, sondern uns weiterentwickeln und neue Herausforderungen in Angriff nehmen.

Wäre es eine Option, auch in Zukunft mit Elmar Schmidt zusammen zu arbeiten?


Markus: Warum nicht? Die Anfänge waren schwer, aber inzwischen wissen wir ja, wie es geht. [lacht] Mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden. Das Feedback ist bis jetzt sehr gut. In drei Wochen hauen wir bereits das zweite Video raus – zum Song "Kommt näher". Ich bin gespannt. Letztlich entscheiden die Fans, ob sie die CD kaufen oder downloaden und so letztlich den Erfolg des Albums beeinflussen. Auch unser Label SPV, mit dem ich heute noch gesprochen habe, ist mit dem Ergebnis und wie bisher alles läuft sehr zufrieden. Anscheinend sind wir auf dem richtigen Weg.

Du hast grade das neue Video angesprochen. Kannst du uns bereits einen ersten Einblick gewähren?

Markus: Eigentlich haben wir beide Videos an einem Tag gedreht und uns entschlossen, "Shadowmaker" zuerst zu veröffentlichen. "Kommt näher" mit seinem deutschen Text schieben wir noch als Schmankerl hinterher. Dahinter verbirgt sich ein klassisches Musikvideo mit Bandperformance und zwei geilen Tänzerinnen. [lacht]

Es gibt also keine kleine Story wie bei "Shadowmaker"?


Markus: Nein, hier haben wir mehr auf die Rock'n'Roll-Schiene gesetzt, auch wenn es ein elektronischer Song ist. Sex sells! Zwei Mädels mit geilen Klamotten und Rock'n'Roll-Band…

Oder wenig Klamotten?

Markus: Ja, genau! Bei "Black Celebration" hat das auch gut funktioniert. [lacht] Wir mögen zwar schon alte Knacker sein, sind aber immer noch ein bisschen rock'n'roll und haben unseren Spaß dabei.

Wovon habt ihr euch neben "Revolution" und Elmar Schmidt bei der Albumproduktion inspirieren lassen?

Markus: Das sind letztlich die Einflüsse von jedem Einzelnen, aber wir hören alle komplett unterschiedliche Musik. Matze steht z.B. auf Grunge-Rock, Bands wie Nickelback und auch Thrash-Metal. Harald hat eigentlich gar nichts mit Gitarre und Bass zu tun, obwohl er bei uns Bassist ist. Er zieht sich den ganzen Tag nur irgendwelches EBM-Zeug rein. Ganz extrem! Für mich ist das zu krass. Felix steht auf Geknüppel und ich bin so der 80-Pop-Charts-Hörer und finde auch Lady Gaga und Helene Fischer ganz geil.

Und Katrin?

Markus: Ebenso. Mit meiner großen Tochter war ich sogar bei Beatrice Egli. Das Konzert fand ich sehr cool. Ich höre also komplett breitgefächert. Die aktuelle Testament-CD "Dark Roots Of Earth" ist der Hammer – das war für mich generell das Thrash-Album des Jahres, mit Gene Hoglan, dem Godfather der Metal-Drummer. Genauso mag ich Haudegen, also Deutsch-Rock-Zeug, bis hin zu Blutengel und Unheilig. Ich mag mehr die kommerzielleren Sachen.

Wo und mit welchem Produzenten wurde eure neue Platte aufgenommen?

Markus: Im Kohlekeller-Studio mit Kristian "Kohle" Kohlmannslehner. Seit dem Comeback-Album arbeiten wir mit ihm zusammen. Er war damals auch Gitarrist bei meinem Zweitprojekt Century, bei dem wir Depeche Mode mit harten Gitarren vereinten. Damals waren wir mit Him und Paradise Lost auf Tour und veröffentlichen zwei Alben via Drakkar. Das lief sogar recht erfolgreich, denn wir verkauften 30.000 Stück. Irgendwann hat es aber leider nicht mehr funktioniert…

Welche technischen Herausforderungen hattet ihr im Studio zu bewältigen?

Markus: Die Basics von Elmar. Die EBM-Jungs arbeiten wie gesagt komplett anders. Es gibt keinen Song nach dem Muster "Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Mittelpart-Refrain" wie bei uns, sondern die Aufbauten sind ganz anders. Die Herausforderung bestand also darin, die EBM-Basics so zu arrangieren, dass der Crematory-Style erkennbar ist. Für uns war das sehr interessant und hat viel Spaß gemacht. Aber es gab auch Tage, an denen wir fast verzweifelt sind. Die ersten zwei, drei Lieder fielen uns sehr schwer. Aber letztlich haben wir von beiden Seiten das Beste vereint und somit "Antiserum" ins Leben gerufen.

Wie sahen eure Studiozeiten aus?

Markus: Es gab keine konkreten Zeiten. Da wir alle Familien und Jobs haben, sind wir nicht wie früher vier Wochen am Stück im Studio, sondern machen meistens Wochenend-Sessions. Das Arbeiten ist also ganz entspannt.

Gibt es spannende Anekdoten aus dem Studio zu berichten?


Markus: Leider nicht, weil wir immer einzeln im Studio sind. [lacht] Man trifft die Band nie zusammen im Studio.

Was genau verbirgt sich hinter dem Albumtitel? Ein Antiserum gegen was?

Markus: Das ist für mich eine Fangfrage, da ich mir noch gar nicht alle Texte durchgelesen habe. Das ist einfach Felix' Part. Es handelt sich um eine Art Konzept-Album, auf dem es darum geht, dass sich die Welt selbst vernichtet. Wir brauchen ein Antiserum gegen das Virus. Aber nach Details darfst du mich nicht fragen. Die Texte waren schon immer Felix' Ding. Mit den Albumtiteln, Songtiteln und Texten beschäftige ich mich immer erst als letztes, weil ich einfach viel mit dem Management und dem musikalischen Teil zu tun habe. Wir vertrauen dem Felix. Er macht das schon jahrelang gut. Eigentlich sollte mir Felix zu jedem Lied zwei, drei Zeilen schreiben, worum es geht. Aber er hat sie mir noch nicht geschickt.

Die Albumtitel sind also auch auf Felix' Mist gewachsen?

Markus: Ja, das ist komplett sein Ding. Ich habe z.B. bis heute noch nicht den Titel "Klagebilder" kapiert, aber Felix hält daran fest und verteidigt das und meint, das gehöre so. Aber da lasse ich ihm auch seine kreative Freiheit…

Wer hat denn das Artwork gestaltet?

Markus: Hier hatte wieder jener Künstler seine Finger mit im Spiel, der auch das "Black Pearls"-Cover gestaltete. Er ist ein Künstler aus Ungarn, der mich vor Jahren mal angeschrieben hat. Bei mir bewerben sich öfters Künstler und Fotografen. Aber seine Sachen – mir liegen zwei, drei Dinge vor – gefielen mir sehr gut. Ich sagte ihm dann, wie das neue Album heißen soll, gab ihm ein paar Schlagworte mit an die Hand und er begab sich an die Arbeit. Das Ergebnis ist ziemlich geil: ein Typ, der an Schläuchen hängt, Schlangen, die das Gift produzieren…

Was ist dein persönliches Album-Highlight und warum?

Markus: Definitiv "Shadowmaker". Als Felix den ersten Take eingesungen hatte, war für mich klar, dass dieser Song ein Hit ist. Es gibt einfach Songs, die sofort funktionieren, während man an anderen länger feilen muss. "Shadowmaker" war ca. der vierte Song, den wir gemacht haben. Der Rest des Albums stand zu jenem Zeitpunkt also noch gar nicht. Aber im Studio sagte ich sofort: Freunde, wir müssen eigentlich gar nicht weitermachen. Für mich ist das bereits der Hit! Gut, im Endeffekt kam noch "Kommt näher" hinterher, "Virus" ist für mich auch ein Knaller… Bisher hatten wir auf jedem Album mindestens einen Hit. Und deshalb bin ich immer heilfroh, wenn ich ihn endlich höre. [lacht]

Wie werdet ihr die VÖ im Februar feiern?

Markus: Die VÖ ist am 21. Februar, und einen Tag später spielen wir die erste Show in Forst bei Cottbus. Da lassen wir es auf jeden Fall krachen! Das ist ja immer so eine kleine Taufe und wir als Musiker sind natürlich sehr gespannt, wie das Publikum die neuen Songs aufnehmen wird. "Shadowmaker" haben wir bereits vor einem halben Jahr ins Live-Programm aufgenommen. Ähnliches machten wir damals mit "Tears Of Time". Wir hoffen, dass die Vorzeichen diesmal genauso gut stehen, denn "Tears Of Time" war damals unser Durchbruch. Vielleicht schaffen wir das ja mit "Shadowmaker" zu toppen…

Wie bereitet ihr euch auf die anstehende Tour vor?

Markus: Wir haben letzte Woche damit begonnen, jeder für sich zu proben. Ab dem 1. Februar üben wir dann zusammen, studieren die Setlist ein, proben die Übergänge und Zwischenintros.

Was halten eigentlich deine Töchter von eurer Musik?

Markus: Sie finden die super. Sie sind auch immer mit dem Kindermädchen bei den Konzerten dabei. Für sie ist das hervorragend. Sie können dort alles machen, jeder kümmert sich um sie, sie fahren mit ihren Skateboards in den Hallen herum, spielen Fußball und schauen meist die ersten zwei, drei Lieder, ehe es ins Bett geht. Sie sind immer ganz begeistert, wenn die Leute vorne ausrasten. Für sie sind die Konzerte jedes Mal ein tolles Ereignis.

Was wird uns bei den Konzerten erwarten?

Markus: Wir spielen ab sofort nackt! [lacht] Da ich hinter'm Schlagzeug sitze, habe ich kein Problem damit. Nee, wir waren nie eine Band mit irgendwelchen Show-Pyros und Spreng-mich-in-die-Luft-Geschichten, sondern versuchen unsere Show immer ganz natürlich rüberzubringen und sind sehr spontan – je nachdem, wie das Publikum mitmacht. Felix hat ein ganz gutes Händchen, die Show stets in die richtige Bahn zu lenken. Ziel unserer Veranstaltungen ist es stets, dass wir und die Besucher so viel Spaß wie möglich haben.

Gibt's irgendwelche Konzerte von anderen Bands, auf die du dich dieses Jahr noch freust?

Markus: Als nächstes besuche ich die Best-Of-Tour von Simple Minds hier bei uns um die Ecke. Das ist meine Favorite-Band aus den 80ern. Darüber hinaus gehe ich zu Unheilig, die auch hier bei uns spielen. Man wird ja faul und fährt nicht mehr so weit. [lacht] Wenn was vor der Haustür spielt, was mich interessiert, gehe ich hin und schaue mir das mal an. Ich war auch kürzlich bei Frei.wild in Frankfurt, da ich eingeladen wurde, und ich war wie gesagt bei Beatrice Egli, weil meine Große dahin wollte.

Was sind deine Crematory-Vorsätze fürs neue Jahr?

Markus: Mein Wunsch ist es, dass das neue Album erfolgreich läuft, die Fans dieses gut annehmen und wir vielleicht auch ein paar neue Fans gewinnen, dass wir geile Shows spielen und einen Haufen Spaß haben. Im Endeffekt bin ich generell einfach dankbar, was wir bisher mit Crematory erleben durften, was wir geschafft haben. Als ich mit dem Schlagzeug spielen angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass es mal soweit kommt. Man muss immer dankbar sein für das, was man hat. Es ist immer schön, wenn es einen Schritt weiter vorwärts geht, aber man muss auch zufrieden sein, wenn es so weiter läuft, wie es die ganzen Jahre gelaufen ist. Ich will einfach Spaß haben, nette Leute kennenlernen, zusammen schöne Konzerte feiern. Deshalb machen wir das ganze ja!



Interview: Lea S.
Fotos: Promo 2013/2014
Website Band: www.crematory.de


(c) Zillo Musikmagazin / gepl. Ausgabe 02/14 / www.zillo.de

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