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Down Below (IV)
Interview mit Neo Scope [Down Below], 12.12.2011, phoner



Schweiß und Tränen hat es Down Below gekostet, ihr neues Album "Zeichen" aufzunehmen. Mit dem Ergebnis ist die Band jedoch mehr als zufrieden, bemerkt Neo Scope im Interview. Außerdem verrät der Frontmann und Sänger, wie er diesmal beim Songwriting vorging, warum es mit einer Selbstproduktion nicht so recht klappen wollte und wieso ihm beim Videodreh zur Vorab-Single "Du & Ich" die Knie weich wurden.


Neo, welche Anforderungen sollte euer neues Album "Zeichen" erfüllen und inwiefern ist es euch gelungen, diesen Anforderungen gerecht zu werden?

Neo: Das Album muss natürlich der Band und mir gefallen – und das tut es. Somit wird es schon einmal allen Anforderungen gerecht. Und wenn auch noch die Leute da draußen dieses Album genauso gut finden wie wir, dann ist natürlich alles perfekt.

Gibt es trotzdem etwas, mit dem du nicht zu 100 Prozent zufrieden bist?

Neo: Das gibt es wahrscheinlich immer, doch momentan fällt mir kein Aspekt ein, mit dem ich wirklich unzufrieden bin. Wir sind an jenem Punkt angelangt, an dem wir bereit sind, das Album zu veröffentlichen. Und das allein besagt ja schon, dass alles am Album passt. Es kann natürlich sein, dass mir in zwei oder drei Jahren ein paar Sachen auffallen, die ich lieber anders gemacht hätte, aber das wären sicherlich nur Kleinigkeiten. Ich denke, alles was ich zu sagen hatte, ist auf dem Album drauf.

Welchen Entwicklungsschritt hat "Zeichen" gegenüber dem Vorgängeralbum "Wildes Herz" vollzogen?

Neo: Ich habe diesmal schon beim Songwriting darauf geachtet, mehr und mehr auf die synthetischen Sounds zu verzichten und eher mit organischen Elementen zu arbeiten, beispielsweise Streicher- und Klaviersounds. Zudem ist der Schellenring oftmals beim Schlagzeug als zusätzliches Element untergemischt, ohne dabei im Vordergrund zu stehen. Wir sind keine Folklore-Band! [lacht] Wir haben auf jeden Fall darauf geachtet, dass der Grundsound bestehen bleibt, d.h. wir setzen nach wie vor auf Gitarre, Schlagzeug und Bass. Mir sind handgemachte, organische Sounds sehr wichtig.

Die synthielastigen Sounds sind also klassischen Elementen gewichen…

Neo: Ja, könnte man so sagen, aber es wird nicht klassisch gespielt. Das ist kein "Metallica meets Symphonie-Orchester"-Sound. Ich würde ihn als Pop/Rock beschreiben.

Welche Zielgruppe habt ihr mit der neuen Platte vor Augen?

Neo: Die Zielgruppe hat sich glücklicherweise überhaupt nicht verändert. Sie umfasst nach wie vor jeden, der unsere Musik mag. Wir haben uns noch nie auf eine Szene festnageln lassen. Zwar habe ich mich viel in der Schwarzen Szene bewegt, dort liegen sozusagen meine Wurzeln, aber in der Musik möchte ich mich nicht darauf festnageln lassen, welche Klamotten ich anzuziehen habe, was meine Lieblingsfarbe sein muss etc.

Ist eure Musik denn radiotauglich?

Neo: [lacht] Na klar! Es sind auf jeden Fall Songs dabei, die Potential fürs Radio hätten. Aber was dort letztlich läuft, entscheiden die Sender, die mittlerweile auf Charterfolge festgelegt sind. Ihnen wird vorgegeben, was sie spielen müssen. Wenn man unsere Songs zukünftig im Radio spielen sollte, ist das natürlich schön.

Ihr habt mit englischen Songs angefangen, mittlerweile schreibst du nur noch deutsche Texte. Worin siehst du die Vorteile, mit deutschsprachigen Songs auf den Markt zu gehen?

Neo: Am Anfang waren deutsche Texte für mich befremdlich, weil man mit ihnen sehr viel von sich preisgibt. Da überlegt man sich den Text schon ganz genau, zumal deutsche Texte auch schnell abgedroschen, althergebracht oder schlagerartig klingen. "Wildes Herz" war unser erstes komplett deutschsprachiges Album. Hier habe ich noch oftmals konstruiert und herumprobiert. Bei "Zeichen" versuchte ich, das Konstruierte wegzulassen und direkt Geschichten zu erzählen, die mich betreffen bzw. mir passiert sind. Dadurch ist das Album viel authentischer und näher an der Band und mir dran, so dass wir uns entschieden, die Kostümierung beiseite zu packen. Wir zeigen uns nun also so, wie wir sind!

Beim Songwriting hast du dich also von persönlichen Geschehnissen inspirieren lassen?

Neo: Ja, noch mehr als auf "Wildes Herz". Denn dort habe ich mich noch eher auf Fantasien und Fiktionen eingelassen, die mir besonders dramatisch erschienen. Sie hatten aber zeitgleich auch Bezug zu meiner Gefühlswelt, denn ich könnte mir niemals alles komplett ausdenken.

Wie bist du konkret beim Songwriting vorgegangen?

Neo: Das war ein längerer Prozess. Wir hatten bereits einen Albumentwurf mit 12 von 25 Songs in der Vorauswahl. Doch dann kam die Tour mit Unheilig dazwischen. Während dieser Tour und auch im Nachhinein fielen mir noch einige Ideen ein. So wurden letztlich von den bereits feststehenden Songs sechs gekickt und sechs neue kamen hinzu. Je nach dem, was mich gerade bewegt oder beschäftigt, setze ich mich hin und schreibe. Manchmal kommt mir direkt ein Thema in den Sinn, zu dem ich einfach mal gerne etwas sagen möchte. Manchmal ist es auch so, dass ich aufgrund irgendeiner Erinnerung oder eines Geschehnisses einen Text schreibe. Oder ich habe bereits einen Text und überlege mir dazu eine passende Melodie, die jenen Text gut unterstützt. Es kann aber auch umgekehrt sein: Ich habe eine Melodie und überlege mir, was ich dazu schreiben könnte. Übrigens bin ich seit gut drei Jahren auch als Autor für andere Künstler tätig. Wenn ich für eine andere Person arbeite, muss ich mich in jene hineinversetzen und mir überlegen, was diese zu erzählen hat. Ich muss also konstruieren, und dann kommt es darauf an, ob es dem Künstler gefällt oder nicht.

In welchem Genre bist du da tätig?

Neo: Überwiegend betrifft es die Schwarze Szene. Ich habe beispielsweise am Song "Eiszeit" von Eisbrecher mitgewirkt, bin aber auch im Bereich Hip Hop/R'n'B tätig – eine völlig andere Baustelle. Hier geht es mir darum, mich am Wochenende einfach mal einzuschließen und mit Sounds zu experimentieren. Am Ende des Tages kommt dann auch etwas Gescheites dabei heraus. Mit einem Freund zusammen habe ich sogar eine Songschreiber-Werkstatt eröffnet.

Nochmals zurück zu den Songs auf "Zeichen": Inwiefern stehen die einzelnen Tracks in Verbindung zueinander?


Neo: Auf "Wildes Herz" waren alle Songs miteinander verbunden, bei "Zeichen" ist dies nicht mehr so. Hinter dem neuen Album verbirgt sich kein Konzept, dass etwa ein Song mit seiner Geschichte auf einem anderen aufbaut.

Was haben wir generell unter dem Namen des Albums zu verstehen? Nach welchen Zeichen müssen wir Ausschau halten?

Neo: Der Titel bezieht sich auf das Lebenszeichen. Aus diesem Grund wurde "Leuchtfeuer" die erste Nummer auf dem Album, denn ein Leuchtturm im Sturm mit seinem Leuchtfeuer ist ein starkes Symbol für das Dasein, auch wenn es einem nicht so gut geht. Es steht für das Gesehen werden, nicht in Vergessenheit geraten, ein Zeichen setzen, also irgendeine Spur hinterlassen.

Auf eurem Cover ist der Leuchtturm von Warnemünde zu sehen. Was verbindet euch mit dem Ort?

Neo: Warnemünde ist tatsächlich einer meiner Lieblingsorte hier im Land. Wir sind ja viel ehrlicher und erwachsener geworden, und ich wollte auf dem Cover einfach mal etwas Privates preisgeben. Und dieser Ort ist mir nicht nur wichtig, sondern auch wirklich sehenswert.

Die letzten Platten habt ihr mit Henning Verlage produziert, der diesmal keine Zeit hatte. Wie bist du denn mit dem neuen Produzententeam von Valicon zurechtgekommen – insbesondere mit Mic Schröder?

Neo: Mic Schröder ist ein prima Typ. [lacht] Für ihn hat einfach der Sound entschieden. Im Grunde konnten wir zwischen verschiedenen Produzenten auswählen, und Mics Sound überzeugte uns einfach. Er erkannte genau, was ich will. Und so kam es zur Zusammenarbeit.

Hat er dir auch viel Freiraum gelassen?


Neo: Ja, wir haben uns sehr gut verstanden. Es gab nicht viel zu diskutieren. Er arbeitet ja auch sehr künstlerorientiert. Das war ein schönes Geben und Nehmen, ein sehr angenehmes Arbeiten, was wirklich Spaß machte. Ich würde jederzeit wieder auf ihn zurückgreifen.

Zuvor hattet ihr den Versuch der Selbstproduktion gestartet. Woran ist dieser gescheitert?


Neo: Die Produktion fand bei unserem Bassisten Convex statt. Doch es gab ein zeitliches Problem, weil Convex auch Frei.Wild produziert und dort unheimlich eingebunden ist. Außerdem war ich mit dem bereits vorliegenden Material nur halb zufrieden. Convex hat mit bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, teilweise haben wir auch zusammen dort gesessen, aber es ist immer schwierig, sich selbst zu produzieren: Man verzettelt sich, ist nicht mehr objektiv etc. Somit entschieden wir uns, die Produktion auszulagern und nicht selbst zu übernehmen. Wir wollten jemand anderes einen Blick darauf werfen lassen, um zu erfahren, wie jemand von außen das Ganze sieht. Das war im Endeffekt eine weise Entscheidung. Das hat weniger mit den Fähigkeiten von Convex zu tun, als vielmehr damit, jemand Unbefangenes zu haben.

Welche Songs auf dem neuen Album sind dir besonders wichtig und warum?


Neo: Das sind die beiden Songs "Moment unseres Lebens" und "Stark sein". "Moment unseres Lebens" hat beispielsweise einen sehr persönlichen Hintergrund. Im Sommer war ich viel mit einer Ballett-Company unterwegs, die u.a. auch Marquis de Sade aufgeführt hat. Durch die Zusammenarbeit unternahm man auch privat recht viel gemeinsam. Das war aber eben nur ein Sommer, weil sich die Company im Anschluss aufgelöst hat. Es ist oft so, dass man nur eine Spielzeit zusammenarbeitet. Wir wussten natürlich alle, dass wir nur diesen einen Sommer haben, und genossen somit jeden Tag. Vor diesem Hintergrund ist "Moment unseres Lebens" entstanden. Später kann man auf solche Momente zurückblicken und aus ihnen Kraft ziehen. In "Stark sein" geht es darum, dass es immer mehr Leute mit Depressionen, Panikattacken, Angststörungen, Burn-out etc. gibt, denen es wirklich schlecht geht. Hinter diesen Krankheiten steckt oftmals viel Leistungsdruck, wie der Song beschreibt. Man sollte sich vielleicht einfach mal selbst verzeihen, wenn man nicht perfekt ist, da man einfach nicht perfekt sein kann.

Als erste Single habt ihr allerdings "Du und ich" auserkoren. Im November wurde ein passendes Video gedreht. Kannst du uns bereits einen ersten Einblick gewähren?


Neo: Das war eine ganz aufregende Geschichte. Wir fuhren für den Videodreh nach Tschechien ins Böhmische Paradies, was ein Stück weit hinter Prag liegt. Die Gebirgslandschaft ist ein absoluter Wahnsinn. Ich war zuvor noch nie in Tschechien, wollte aber schon immer mal nach Prag. Doch letztlich hatte nur die Band Urlaub und ich durfte diverse Videoszenen drehen. Ich musste mich beispielsweise ohne Absicherungen auf recht hohe Felsen stellen. Da ging es rechts und links von mir einfach mal 500 Meter bergab. Dabei bin ich doch so ein Angstkandidat: Höhenangst, Flugangst usw. Doch nun stand ich dort mit zitternden Knien auf einem Felsvorsprung und sollte lächelnderweise das Lied singen. [lacht] Das war zwar echt abgefahren, funktionierte aber letztlich. Das Video sieht echt gut aus und passt auch wirklich zum Text. Die Videopremiere ist am 23. Dezember 2011 in Vockerode bei unserem Christmas-Special. Die Single an sich kommt aber erst offiziell im Januar heraus.

Und im März geht es dann groß auf Tour. Was erwartet uns bei den Shows? Ihr werdet wohl nicht mehr mit Zylinder auf die Bühne kommen, oder?

Neo: [lacht] Nee, nach "Sinfony 23" haben wir die Zylinder abgesetzt und weggestellt. Die Zuschauer werden eine erwachsenere Band erleben, die aber nicht langweilig ist. Wir sind jetzt schon in den Proben und ich bin mir sicher, dass die neuen Songs live noch mehr rocken werden als die vorherigen. Wir werden viel Mitarbeit vom Publikum abverlangen. Wir arbeiten immer sehr gern mit den Zuschauern zusammen, schließlich sind sie extra wegen uns gekommen. Dafür haben wir uns schon das eine oder andere überlegt.

Was sind abgesehen von der Tour eure weiteren Pläne für das Jahr 2012?


Neo: Auf jeden Fall Weltruhm erreichen, das ist ganz klar, und wir wollen Nena an die Wand spielen. [lacht] Nee, das ist großer Quatsch. Es wird so sein, wie immer: Wir werden viel zusammen Musik machen, uns hinsetzen und neue Songs schreiben, an einer neuen Platte arbeiten, es wird ein Fantreffen und wieder ein Christmas-Special geben. Die Fanarbeit wird in jedem Fall zunehmen, weil die Nachfrage immer da ist und wir auch Spaß daran haben. Es wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr! Ansonsten wird jeder noch privat schauen, was bei ihm so ansteht. Carter ist mittlerweile Papa und wird sich z.B. auch ein bisschen um die Familie kümmern.



Interview: Lea S.
Fotos: taken & (c) Holger Fichtner / taken from downbelow.de
Website Band: www.downbelow.de

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(c) Zillo Musikmagazin / Ausgabe 02/12 / www.zillo.de
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