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Eden weint im Grab
Interview mit Alexander P. Blake [Eden weint im Grab], November 2009, mailer



Mit „Der Herbst des Einsamen“ ist seit dem 6. November 2009 das brandneue Album von Eden weint im Grab für alle erhältlich. Doch mit ihrem dritten Schaffenswerk schlägt die Berliner Band überraschen neue Pfade ein. Wieso, weshalb, warum – darüber sprach ich mit Alexander Paul Blake, dem kreativen Kopf der düsteren Band. 

Bist du vollständig zufrieden mit „Der Herbst des Einsamen“ oder hast du jetzt im Nachhinein – nachdem alles gepresst und gedruckt ist – (schon) etwas gefunden, was du lieber anders gemacht hättest?

Alexander P. Blake: Im Großen und Ganzen bin ich nach wie vor sehr zufrieden mit diesem Album. Ich würde aus heutiger Sicht sicherlich ein paar Kleinigkeiten im Mix anders machen, aber ob es dann wirklich „besser“ oder nur „anders“ klänge, liegt im Auge (bzw. Ohr?) des Betrachters. An den Grundstrukturen und Rezitationen würde ich indes nach wie vor nichts ändern. Es ist keine Musik, die einen beim ersten Hören anspringt, sondern ein subtiles Album, das Zeit und eine passende Hörumgebung erfordert. Aber das war so beabsichtigt und ich hoffe, die Hörer werden der Scheibe mit Geduld begegnen und sich darauf einlassen, denn ich finde sie geht sehr weit in die Tiefe und enthält zahlreiche kleine Details, die erst nach mehrmaligem Hören auffallen. Wenn ich das Album heute in der richtigen Stimmung höre, bekomme ich nach wie vor eine Gänsehaut – das ist doch ein gutes Zeichen.

Ist Alexander Paul Blake ein Perfektionist?


Alexander P. Blake: Das kommt ganz drauf an – sicher kein krankhafter, aber ich bin durchaus genau. Ich versuche keine halben Sachen zu machen und arbeite an den Songs, Texten und Mixen stets so lange, bis ich vollends zufrieden bin. Das ist jedoch immer eine Momentaufnahme, da sich diese Zufriedenheit auch schnell wieder wandeln kann. Deshalb muss man aufpassen, dass man sich nicht verrennt bei der Kreation eines Albums und den Moment nicht verpasst, an dem es fertig ist. Bei „Der Herbst des Einsamen“ hat das glücklicherweise sehr gut geklappt, denn es war ein sehr spontanes Werk und ich habe langwieriges Entwickeln und Ändern der Stücke bewusst vermieden und mehr Wert darauf gelegt, dass die Aura der spontanen Eingebungen, die oft die besten sind, bewahrt wird. Nach der Fertigstellung lag das Album noch über ein Dreiviertel Jahr in der Schublade, da ich im Hintergrund die Veröffentlichung und Labelgründung vorbereiten musste. Aber ich habe es auch in dieser Zeit vermieden, noch einmal an die Songs zu gehen, denn das kann schnell nach hinten los gehen. Ein Album soll einen bestimmten Zeitraum einfangen, deshalb muss man konsequent bleiben, wenn man es für „fertig“ erklärt hat.

Du bezeichnest dein Werk als „Dekomposition der Lyrik Georg Trakls“. Dekomposition leitet sich vom lateinischen Wort decompositio ab, was so viel wie „Zerlegung“ bedeutet. Inwiefern zerlegst du die Gedichte von Trakl?

Alexander P. Blake: Der Titel ist primär ironisch zu sehen, bezeichnet eine Dekomposition in der Kunsttheorie doch die künstlerische Demontage eines Kunstwerks. Genau das mache ich, indem ich Trakls Gedichte in einen neuen Kontext setze und damit vielleicht auch viele Trakl-Liebhaber vor den Kopf stoße. Auf Myspace habe ich einen Musiker kennengelernt, der ein Trakl-Gedicht mit den Mitteln von Singer/Songwriter-Elementen und Blues vertont hat – das ist auch spannend, entspricht aber überhaupt nicht meiner Sichtweise dieser Texte und umgekehrt wird es genauso so sein. Ich finde gerade die neue Perspektive, die sich dadurch auftut, interessant, denn so wird das eigene Kopfkino nicht nur durch die Gedichte angeregt, sondern auch durch Rezitation und musikalische Begleitung. Im Endeffekt meint „Dekomposition“ in diesem Zusammenhang also, dass Trakls Gedichte als Ausgangspunkt für neue Kunst dienen und ob man diese als Demontage oder Aufwertung bewertet, liegt im Ermessen des einzelnen.

Im Booklet steht, dass du nicht nur alle Stücke komponiert, zelebriert und klanglich veredelt, sondern auch durchlitten hast. Das klingt, als sei die Produktion der Platte eine reine Tortur gewesen.

Alexander P. Blake: Nein, aber ich inszeniere die Dinge gerne Im Gegenteil, die Arbeit war sehr bereichernd und alles andere als eine Tortur. Mir floss noch kein Album so leicht aus der Hand. Aber ähnlich wie ein Schauspieler bemühe ich mich auch bei der Rezitation, die Inhalte zu durchleben, und bei Trakl geht es zwar oft um die Natur, aber gewiss nicht um Gänseblümchen und Sonnenschein, sondern um schwere Stimmungen, essentielle Fragen und ganz viel Leid.

Das Album heißt „Der Herbst des Einsamen“, was ebenfalls ein Gedicht von Trakl ist, welches aber keine Platz auf der neuen CD gefunden hat. Warum?

Alexander P. Blake: Sicher wäre es noch möglich und auch interessant gewesen, etwa Hundert andere Gedichte zu vertonen, aber das Ganze sollte nicht ausufern, weshalb der potentielle Titelsong ebenso keine Verwendung fand wie beispielsweise „Grodek“, „Verfall“ oder „Helian“ – eben jenen bekannten Gedichte, die man erwartet hätte. Einen wirklichen Grund dafür kann ich nicht nennen, außer die Tatsache, dass das Album so und nicht anders für mich schlüssig war.



Woran hast du dich bei der Erschaffung der passenden Soundcollagen zu jedem Gedicht orientiert?

Alexander P. Blake: An der Stimmung, die das jeweilige Gedicht in meinem Kopf erzeugte. Es war allerdings ein eher intuitives Arbeiten und ich hatte oft gar keine konkreten Attribute im Sinn, sondern habe mich treiben lassen. In einigen Fällen gab es auch zuerst die Geräuschkulisse und ich habe versucht, wie verschiedene Gedichte dazu passen, bis sich schließlich eine Einheit aus den Worten und den Klängen bildete, die sich richtig anfühlte.

Über welchen Zeitraum ist die neue Platte genau entstanden?

Alexander P. Blake: Ich habe leider nicht die Zeit, mich einige Wochen am Stück ununterbrochen nur einer Albumkreation zu widmen, von daher sind es oft nur wenige Stunden pro Woche, die mir Zeit bleiben und eine Albumentstehung zieht sich entsprechend schon mal etwas länger hin. „Der Herbst des Einsamen“ ging mir glücklicherweise relativ schnell von der Hand und formte sich oft wie von selbst, ganz im Gegensatz zu manch anderem Album in meiner Laufbahn. Entsprechend dauerte es nur etwa zwei Monate im letzten Herbst und Winter von der ersten Aufnahme bis zum fertigen Mix. Auf den Tag genau kann ich die Aufnahmen allerdings nicht mehr umreißen, da die Details in meinem Kopf schon verblasst sind.

Auf dem Album gibt`s weder Gesang, noch eigene Texte und metallische Gitarren. Wo ist da der Bogen zu EwiG?

Alexander P. Blake: Eden Weint Im Grab definiert sich über den „Spirit“ und nicht durch die Mittel, mit denen dieser erzeugt wird. Ich finde es langweilig, wenn ich nun auf immer und ewig auf die gleiche Art Songs schreiben müsste, wie ich dies auf den ersten zwei Alben getan habe. Ich mache Eden Weint Im Grab ja nicht, um anderen Menschen eine Dienstleistung zu erbringen, sondern in erster Linie zur eigenen künstlerischen Selbstverwirklichung – was nicht heißen soll, dass ich mich nicht freue, wenn es jemandem gefällt. Von daher nehme ich mir die Freiheit, die „Werkzeuge“ je nach Bedarf frei zu wählen und auch mal mit den gängigen Konventionen zu brechen – es gibt schließlich genug Bands, die sie wieder und wieder brav erfüllen. Wichtiger als die Instrumente sind mir die erzeugten Atmosphären, und diese werden bei Eden Weint Im Grab immer auf ihre Weise dunkel, morbide und tiefsinnig sein – das ist der Bogen.

Hast du Angst, dass Fans enttäuscht sein könnten, weil auf der neuen CD Gitarren und traditionelles Schlagzeug fehlen?

Alexander P. Blake: Ich habe mir die Frage zwischenzeitlich immer wieder gestellt, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es so oder so nicht in meinen Händen liegt und ich es nie allen recht machen kann, auch wenn ich ein konventionelleres Album produziert hätte. Entsprechend habe ich versucht, es ausschließlich mir selbst recht zu machen und dafür zu 100 Prozent. Ich denke jedoch, dass offenherzige Hörer in den wenigsten Fällen enttäuscht sein werden, wenn sie dem Album etwas Zeit geben, denn es enthält genug Tiefe, Charisma und Düsternis, um Freunde der bisherigen EwiG-Veröffentlichungen anzusprechen. Außerdem hoffe ich, dass es da draußen noch Hörer gibt, die es spannend finden, neue Welten zu entdecken und einer Band auf bisher kaum betretenen Wegen zu folgen, anstatt immer nur die selbe Leier vorgesetzt zu bekommen.

Hörproben gibt es online und die Live-Premiere habt ihr auch schon hinter euch. Wie ist das bisherige Feedback?

Alexander P. Blake: Bis auf wenige verständnislose Ausnahmen eigentlich sehr gut, was mich selbst überrascht hat, denn man stößt die Hörer mit solch einer unerwarteten Veröffentlichung  ja schon vor den Kopf. Es schrieben zwar fast alle Rezensenten, dass das Album sehr stark polarisieren würde, aber im Endeffekt haben sich doch alle positiv geäußert und die Kompromisslosigkeit gelobt. Ich weiß von einigen EwiG-Hörern, die anfangs ernsthafte Probleme mit der CD hatten, weil sie soundtechnisch durchaus eine große Umstellung ist, dass sich die Geduld ausgezahlt hat. Auch live funktionierte die Einbindung der neuen Stücke in unser reguläres Set sehr gut, und ich bin guter Dinge, dass wir diese Kombination in Zukunft weiter perfektionieren können.

Welche Genrebezeichnung würdest du zur Orientierung für die Fans der neuen Platte zuschreiben?

Alexander P. Blake: Das ist schwierig, weil ich mich verschiedenster Genres und Stilmittel bediene und daraus etwas Eigenes kreiere. Ich persönlich empfinde es als Mischung aus dunklen, orchestralen Soundtracks, experimentellen Klangmanipulationen, Hörspiel-Elementen und einer Lesung. Aber das mag jeder anders empfinden. Von daher müsste ich wohl ein eigenes Etikett erfinden, das dann wiederum auch niemandem etwas sagt, geschweige denn eine Orientierung bietet. Ich weiß, viele Bands behaupten von sich, etwas ganz Eigenes und Neues zu machen, aber ganz ehrlich, das sind doch allzu oft nur Seifenblasen, Promosprüche oder Wunschdenken. Ein Album wie „Der Herbst des Einsamen“ gab es bislang aber wirklich noch nicht – die Elemente sicher, aber nicht in dieser Zusammenstellung, was garantiert auch daran liegt, dass Lyrik und Rezitation Grenzgebiete sind, in die sich kaum eine Band aus dem Düster-Sektor traut, weil man sich nicht sicher sein kann, ob es die Hörer annehmen werden und weil vielfach auch das Interesse daran nicht da ist. Und wenn doch, so wurden allenfalls einzelne Gedichte als Songtexte verwendet. Das ist bei uns nicht der Fall, die Gedichte bleiben auch in gelesener Form Gedichte.



In der Schule wurde man früher mit Gedichten gejagt, du beschäftigst dich freiwillig mit ihnen. Wie kommt´s? Was fasziniert dich allgemein an Gedichten?

Alexander P. Blake: In der Schule hat es mich oft auch genervt, aber das ist ja meistens so, dass die Dinge einen höheren Reiz haben, wenn man ihnen freiwillig nachgeht und nicht unter Zwang. Geprägt hat mich sicher mein Literaturwissenschaftsstudium – da habe ich gelernt, mich mit Texten auseinander zu setzen und sie zu interpretieren. Allerdings wurde meiner Meinung nach an der Uni auch vieles entzaubert und zu sehr seziert. Auf „Der Herbst des Einsamen“ war es folgerichtig nicht meine Absicht, die Gedichte zu interpretieren, sondern eher ihre Stimmungen zu unterstreichen – wenngleich auch dies ein Stück weit schon eine Interpretation ist, schließlich empfindet die Trakl-Texte sicher nicht jeder derart düster und krank wie ich. Darüber hinaus finde ich, lässt sich die Frage nicht adäquat beantworten. Woher kommt ein Interesse an etwas? Der eine interessiert sich für Autos, der nächste für Sport und ich eben für Musik und Literatur – Interessen sind wie sie sind.

Wohl wahr, nichtsdestotrotz würde ich gern wissen, was dich speziell an den Gedichten von Georg Trakl fasziniert?

Alexander P. Blake: Das lässt sich nicht in ein paar Worten ausdrücken – man liest etwas und entweder, man wird gepackt oder eben nicht. Für viele Leute erscheinen Trakls Gedichte sehr wirr und schwer interpretierbar, vielleicht mag ich gerade dieses Mysteriöse!? Er beschreibt oft unheimliche Szenarien, die um Themen wie Verfall und Tod kreisen, aber ihnen haftet meist etwas Idyllisches an und die Schauplätze sind meist in der Natur gelegen oder sind kleine Siedlungen, die einen krassen Gegensatz zur schauerlichen Großstadt bilden. Ich mag das Morbide und Unheimliche ebenso wie das Undurchdringbare und Geheimnisvolle darin und finde, das passt wunderbar zu Eden Weint Im Grab. 

Vor dir hatte auch schon die Gothic-Metal-Band Elis die Idee, Gedichte von Trakl zu vertonen. Was war für dich letztendlich ausschlaggebender Punkt, dies ebenfalls zu tun?

Alexander P. Blake: Ja, ein Dichter wie Trakl blieb natürlich nicht gänzlich unbeachtet. Neben Elis gibt es auch noch ein paar andere eher unbekannte Bands, die Trakl schon die Ehre erwiesen haben. Dass Bands einzelne Gedichte vertonen, ist ja gang und gebe, einem Dichter ein komplettes Album zu widmen, ist jedoch selten und genau das war für mich Antrieb es zu versuchen. Und musikalische Parallelen zwischen Elis und Eden Weint Im Grab wird man wohl auch eher vergebens suchen. Von daher kann ich versichern, dass die Band keine Inspiration für mich war, zumal ich davon vor diesem Interview noch gar nichts wusste.

Wie hast du die Auswahl getroffen, welche der Gedichte Trakls fürs neue EwiG-Album vertont werden?

Alexander P. Blake: Einige der Gedichte, wie z.B. „Verwandlung des Bösen“, hatte ich schon vorher im Sinn, da ich dieses Stück auch schon einmal vor ein paar Jahren für eine Lesung klanglich untermalt hatte, allerdings in einer gänzlich anderen Version. Andere Gedichte ergaben sich sehr spontan, wenn Musik und Text harmonierten oder der Text eine Assoziation bei mir auslöste. Letzten Endes war es mir wichtig, ein rundes Album zu machen, und nicht ausschließlich die bekanntesten Gedichte des Autors zu nehmen.

Was macht für dich einen guten Songtext aus?

Alexander P. Blake: Hier sollten wir zwischen Gedichten, die auch für sich stehen können – wie jene von Trakl – und Songtexten unterscheiden, denn manche Songtexte müssen für sich stehend gar nicht gut klingen, im Zusammenhang mit einem Lied ergeben sie aber Sinn. Deswegen ist es schwer zu sagen, was ein guter Songtext ist und was nicht. Wichtig ist wohl, dass es zu dem jeweiligen Song passt, und die passenden Inhalte variieren natürlich je nach Genre. Davon abgesehen finde ich persönlich eine poetische Sprache, inhaltliche Tiefe, Wortspiele und die Vermeidung allzu plumper Ausdrucksweisen und typischer Floskeln wichtig. Aber das gilt primär für meine eigenen Texte und lässt sich nicht auf alle anderen Bands anwenden.

Dein persönliches Highlight auf der neuen Platte?

Alexander P. Blake: Wenn ich irgendeines der Stücke nicht als Highlight empfunden hätte, wären sie nicht auf dem Album gelandet. Entsprechend ändert es sich auch bei mir immer mal wieder, denn auch ich entdecke bei jedem Hören „neue“ Details für mich wieder. „Verwandlung des Bösen“ nimmt für mich schon eine Sonderstellung ein, da mich das Stück sehr lang begleitet hat und ich habe von keiner der Vertonungen so oft einen Ohrwurm gehabt – obwohl der Text fast ein Prosastück ist. Aber irgendwie hat es wohl besondere Erinnerungen hinterlassen. Als Einstieg für den Unbedarften würde ich dieses Stück allerdings nicht empfehlen.


 
Das Booklet zieren viele stimmungsvolle Naturbilder. Bist du so naturverbunden?

Alexander P. Blake: Für das Artwork zeichnete Nadine E. verantwortlich, die mich gebeten hat, ihren Namen nicht zu nennen und im Bereich von Artworks (noch) ein unbeschriebenes Blatt ist. Nachdem ich die ersten Bilder gesehen habe, hatte ich ihr weitgehend freie Hand gelassen. Ich finde diese Naturbilder passen sehr gut zu Trakls Texten, da sie gleichsam idyllisch, bedrohlich und düster sind. Was meine persönliche Naturverbundenheit angeht: Ich glaube, es geht mir wie vielen Menschen. Im Grunde sehne ich mich nach der Natur und bin ihr sehr verbunden – schließlich sind wir alle ein Teil der Natur und keineswegs von ihr getrennt. Aber mein Alltag und mein Wohnort mitten in Berlin hindern mich die meiste Zeit des Jahres daran, in der Natur zu sein und in Ruhe durchzuatmen. Es ist eine Form von Entfremdung, innerer Zerrissenheit, die vielleicht auch die Kunst inspiriert. Andererseits liebe ich Berlin, weil die Stadt eine andere von Leben ausdrückt.

Wenn Trakl noch Leben würde, wäre er ein passender Gesprächspartner für dich?

Alexander P. Blake: Gute Frage. Darüber habe ich noch nie nachgedacht und es ist schwierig einzuschätzen, wenn man einen Menschen nur anhand seiner Lyrik kennt. Für das erste Gespräch hätte ich sicherlich genug Fragen bezüglich seiner Lyrik in Petto, die eine abendfüllende Konversation ermöglichen würden, aber ob man dann auf einer Wellenlänge liegt, hängt ja noch an vielen anderen Faktoren. Vielleicht werde ich es posthum noch erfahren

Ob man mit deinem neuen Album auch den Deutschunterricht wieder ein wenig aufleben lassen könnte?

Alexander P. Blake: Und wie! Mich hatte schon direkt nach der ersten Bekanntgabe dieser Veröffentlichung eine Lehrerin angeschrieben und mich um Hörmaterial für ihre Klasse gebeten, das ich ihr gerne gegeben habe. Denn ich finde es viel spannender, Trakl so kennen zu lernen als durch die Schulbücher mit ihren Standardinterpretationen, die einen Dichter oft seines Zaubers berauben. Sollten dies also Lehrer lesen, so dürfen sie das Material gerne zu Bildungszwecken einsetzen, denn ich finde das Weitervermitteln solch wichtiger kultureller Überlieferungen sehr wichtig. Was ich indes ablehnen würde, wären Eden-Weint-Im-Grab-Lesungen vor Schulklassen   

Könntest du dir vorstellen, auch mal einen anderen großen Dichter für ein EwiG-Album zu rezitieren oder gibt`s demnächst doch wieder düstere Gitarrenwände zu hören?

Alexander P. Blake: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich kann mir sowohl vorstellen, dass ich mich irgendwann eines anderen Dichters annehmen werde, genauso wie ich mir für die Zukunft auch wieder harte Gitarren im EwiG-Sound vorstellen kann – oder beides zusammen oder gar nichts davon. Momentan ist jedoch alles reine Spekulation, da die Arbeiten am nächsten Album noch nicht begonnen haben. Und während der Arbeit an einem Album ändern sich oft viele Pläne, deren man sich zuvor noch ganz sicher war, und Prioritäten verlagern sich. Derzeit würde ich prognostizieren, dass das nächste Album wieder deutlich metallischer wird, aber damit ist nicht gesagt, dass es dann auch wirklich so kommt. Vielleicht will Herr Trakl auch noch ein zweites Tribut zur Bewahrung seiner lyrischen Schätze, das dann noch mal ganz anders klingt. Wer weiß...

Ein neues Album bringt meist auch eine Tour mit sich. Was ist bei EwiG geplant? 

Alexander P. Blake: Das ist ein leidiges Thema. Zum einen sind die Zusammenstellungen der meisten großen Touren oft von Labelentscheidungen abhängig und die Plattenfirmen haben natürlich ein Interesse, ihre eigenen Bands zu pushen. Bislang hat uns zumindest noch nie ein Label ernsthaft angeboten, eine passende Tour mitzufahren. Von daher bleibt uns ohne großes Label und Budget nur der Do-It-Yourself-Weg. Zum anderen sind wir alle voll in unsere Leben eingespannt und es wäre schwierig, alle Bandmitglieder für zwei Wochen komplett loszueisen. Wir sind auch keine dieser typischen wilden Rock’n’Roll-Bands. Wir sind eher an Musik als Kunstform interessiert, nicht an wilden Partys und Exzessen und ebenso wenig an langen Fahrten und Wartereien. Deswegen wählen wir penibel aus, welche Konzerte wir auch wirklich spielen wollen. Ich bin kein Teenager mehr, der sich in jeden versifften Jugendclub für einen Kasten Bier stellt und froh ist, wenn ein paar Betrunkene mitgrölen. Andererseits haben wir durchaus Interesse, in Zukunft mehr live zu spielen, wenn die Bedingungen stimmen, denn die Zeit auf der Bühne selbst ist es sehr wohl wert – höchstwahrscheinlich aber zunächst weiterhin im Rahmen ausgewählter Einzelgigs. Ich für meinen Teil bevorzuge nach wie vor die Studioarbeit und sehe in der Kreation neuer Werke die eigentliche Bestimmung dieses Projekts – das ist mein persönlicher Spielplatz, auf dem ich mich austoben und etwas von bleibendem Wert erschaffen kann. Die Livedarbietung der Stücke sind für mich nur ein Nebenschauplatz.



Du bist dein eigener Produzent. Worin siehst du die Vor- und Nachteile?

Alexander P. Blake: Der Vorteil ist, dass man alles selbst in der Hand hat, zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Studio kann und mit niemandem Kompromisse schließen muss oder Rücksprachen treffen muss. Ich habe mich sehr an diese Arbeitsweise gewöhnt und würde mich wohl schwer tun, nun einen Produzenten oder auch Mitmusikern ein Mitspracherecht einzuräumen, da ich Angst hätte, dass meine Vision verwässert würde. Andererseits kann ein guter Produzent, der meine Vision versteht, vielleicht noch mehr aus meinen Songs herausholen. Es käme auf einen Versuch an. Momentan sehe ich nicht ein, einem Menschen Geld für eine Leistung zu bezahlen, die ich – meiner Meinung nach – genauso gut selbst erbringen kann. Aber vielleicht denke ich dazu eines Tages mal anders und bin froh, wenn mir jemand unter die Arme greift. Denn sich Meinungen von außen einzuholen, ist auf jeden Fall wichtig, um nicht betriebsblind zu werden. Und es ist nicht so, dass ich Ideen von außen grundlegend ablehne – solange ich sie besser finde als meine eigenen, ist das super. Aber ich möchte eben nicht über Ideen diskutieren müssen, die ich nicht besser finde als meine eigenen, was ja in demokratischen Bands oft ein leidiges Thema ist.

Wie wichtig sind myspace, youtube, twitter & Co. für Bands heutzutage?

Alexander P. Blake: Da Eden Weint Im Grab in erster Linie durch das Internet bekannt geworden ist, würde ich sagen, sehr wichtig. Allerdings wird es immer schwieriger, in der unendlichen Masse an Bands auf Myspace & Co. noch auf sich aufmerksam zu machen und ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen eine Band wie uns über solche Plattformen entdecken und ob sie sich die Musik in unserem Player wirklich im Detail anhören. Aber so oder so kann sich wohl keine Band diesen Mechanismen entziehen, denn ohne Präsenz auf diesen Seiten wird man erst recht nicht wahrgenommen. Meiner Meinung nach halten sich gute und schlechte Aspekte des Internets die Waage. Ich erinnere mich noch an meine frühen Tapetrading-Zeiten, als man neue Bands noch per Demo-Rezensionen entdeckte und sie dann anschrieb, ob sie nicht Demos oder CDs tauschen wollen, oder sich interessante Musik von Freunden erstmal auf Tape überspielte. Das hatte noch ein besonderes Flair, zumal man nicht überschwemmt wurde mit neuer Musik und sich für einzelne Alben mehr Zeit nehmen konnte. Heutzutage ist das Internet das Medium, mit dem man neue Musik entdeckt, was natürlich viel einfacher und komfortabler ist, aber irgendwie auch schnelllebiger, nicht so nachhaltig und oberflächlicher – von der miserablen Soundqualität auf Myspace und Youtube ganz abgesehen. Leider scheinen sich auch viele Bands in ihrer Musik dieser Entwicklung anzupassen, denn es gibt stetig mehr Veröffentlichungen, aber kaum eine überdauert noch die Zeit und setzt ernsthaft neue Impulse. Vielleicht steckt dahinter auch ein gewisses Sicherheitsdenken in Zeiten der Musikindustriekrise, denn natürlich will niemand die letzten wenigen Käufer auch noch vergraulen mit radikalen Ideen. Sei es drum, ich könnte mit Ausführungen zu diesem Thema wohl ein ganzes Buch füllen, will es an dieser Stelle aber lieber dabei belassen.

Wie würdest du den Satz „Musik ist...“ vollenden?

Alexander P. Blake: ...Kunst!



Interview: Lea S.
Fotos: taken & (c) by Markus Mirschel / booth-van-bohr.com
Website Band: www.edenweintimgrab.de

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(c) darkmoments / www.darkmoments.de

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