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Him/Paradise Lost

Him/Paradise Lost, 24.02.2008, Köln, Palladium

Dass Suomi rockt, dürfte mittlerweile klar sein. Fünf gewisse junge Herren aus Helsinki tragen da nicht unerheblich zu bei. Immer wieder schaffen sie es düster-melodische Ohrwürmer zu kreieren, die im Kopf hängen bleiben und sich dort regelrecht festsetzen. Die Band beweist, dass nur drei Buchstaben nötig sind, um Mädels völlig aus dem Häuschen zu bringen. HIM sind zurück in unserem Lande! Und das nicht allein: Mit im Gepäck haben sie ihr neustes Schaffenswerk „Venus Doom“. Es ist das mittlerweile 6. Studioalbum des nordischen Quintetts – rau und melodisch zugleich. Und das sollte auch dem Kölner Publikum auf HIMs Deutschland-Tour nicht vorenthalten werden. Nach fast genau zwei Jahren setzten die finnischen Düster-Rocker endlich wieder einen Fuß ins Palladium, um es mit ihren Klängen zu beschallen. Unterstützung gab es diesmal von der britischen Band Paradise Lost.

Begann der Tag zunächst recht trist und grau, zeigte sich spätestens zur Mittagszeit in Köln die Sonne und verdrängte auch die letzten kleinen Wölkchen am Himmel. Mit für Ende Februar erstaunlich warmen Temperaturen, empfing uns somit das richtige Spaziergangswetter. Aber wer redet hier von Spazierengehen, wenn sich HIM im Palladium die Ehre geben, um ihr aktuelles Werk „Venus Doom“ zu präsentieren? Da war es natürlich klar, wo sich Fans des nordischen Düster-Rocks an jenem sonnigen Sonntag sammeln würden. Dies bestätigte auch zugleich eine kleine mittägliche Stippvisite am Palladium. Etliche dunkel, um nicht zu sagen schwarz gekleidete Gestalten vorwiegend weiblichen Geschlechts saßen und standen vor den Toren der Konzerthalle und schienen die Zeit mit Passanten-Beobachten totzuschlagen. Schließlich mussten die jungen Leute noch bis 18:30 Uhr abends ausharren. Erst dann sollten sich die Tore öffnen und den Weg ins Innere der Halle freigeben. Ein langer Tag stand den hartgesottenen Fans also bevor. Aber was tut man nicht alles, um dem charismatischen Ville Valo und seinen Mannen in der ersten Reihe am nächsten zu sein? Wer zu diesem Zeitpunkt vielleicht rein zufällig die Menschenansammlung vor dem Palladium passierte und bis dato nicht wusste, wer in der Halle gastierte, konnte es recht gut an den vielen Heartagrammen erkennen, die sämtliche Kleidungsstücke und Taschen zierten. 

Nach unserer kurzen Visite in der Innenstadt, um mit Ville zu sprechen, war der Saal um 20.30 bis in die hintersten Ecken gefüllt, während die Supportband Paradise Lost bereits auf der Bühne waren. Zwar standen die Besucher hinten nicht mehr dicht an dicht wie wohl in den ersten Reihen, doch ließen sich so zumindest besser die Haare schwingen, ohne den Nebenmann dabei zu stören. Und Headbangen, das konnte man zu Paradise Lost recht gut. Ursprünglich aus dem Death-Metal-Bereich kommend, hat sich die britische Band mittlerweile in der Gothic-Szene einen Namen gemacht und kam eindeutig auch beim Kölner Palladium sehr gut an. Laute Zugaberufe hallten bereits durch den Saal, als die letzten Akkorde von „The Last Time“ noch nicht gänzlich verstummt waren. Und die fünf jungen Männer von den britischen Inseln gaben auf der Bühne mit einem letzten Song nochmals Vollgas. Gitarrist Greg schüttelte sein schwarzes, langes Haupthaar, während seine Kollegen Aaron an der Rhythmus-Gitarre und Steve am Bass wild über die Bühne stapften und sich Jeff an den Drums verausgabte. „We are Paradise Lost“, rief Sänger Nick ins Mikro, und dann war es auch vorbei mit dem Aufwärmprogramm der Supportband. 

Gut 4000 Leute passen in die Halle, und die schienen auch tatsächlich anwesend zu sein. Selbst auf der Empore hatten viele Fans Platz genommen, um das gesamte Geschehen von oben betrachten zu können. Eine bunte Mischung traf hier aufeinander: Groß und Klein, Jung und Alt, und doch nicht alle nur schwarz gekleidet, wie die mittägliche Stippvisite noch hatte vermuten lassen. Mittlerweile hatte sich etwas auf der Bühne getan. Das Gesicht vom „Venus Doom“-Cover zierte die Rückwand der Bühne, während im vorderen Bereich zwei kultig rote Lampenschirme mit Frauenbeinen Platz fanden. Hatte Ville die etwa aus dem Sexshop seines Vaters mitgehen lassen? Auch wenn die Bühne bereits fertig präpariert schien, klangen noch immer orientalisch-mystische Lieder aus den Lautsprecherboxen, die vermeintlich vertraut wirkten, sich aber doch nicht richtig einordnen ließen. Langsam wurde das Publikum unruhig. Man merkte förmlich, wie die Anspannung im Saal emporstieg. Jedes Mal, wenn eines dieser orientalischen Zeitüberbrückungslieder zu Ende war, schwappte ein sich steigerndes Klatschen durch die Menge, das jedoch durch böse Pfiffe übertönt wurde, sobald ein neues Lied aus der Konserve anfing. Kurz nach 21:30 Uhr war es aber dann schließlich so weit und HIM setzten der Ungeduld des Publikums endlich ein Ende, um einen guten Querschnitt ihrer Alben, mit Ausnahme von „Deep Shadows & Brilliant Highlights“, zu präsentieren. Die ersten Riffs von „Passion’s Killing Floor“ dröhnten durch die Halle und gingen in dem plötzlich ohrenbetäubenden Jubel fast unter. Ein gut gelaunter Ville mit Wollmütze auf dem Kopf und der üblichen Zigarette in der Hand sah strahlend in die Menge. Auch der Rest der Band wirkte an diesem Abend sehr entspannt. Gas hatte sich jedoch mit seinem Schlagzeug hinter einer Glaswand verbarrikadiert, als hätte er Angst, von heranfliegenden Plüschtieren oder BHs getroffen zu werden. Von diesen flogen an jenem Abend allerdings reichlich wenig auf die Bühne, wenn überhaupt. Linde an der Gitarre lief die ganze Zeit im Kreis wie ein Tiger im Käfig, der nur darauf wartet, herausgelassen zu werden. Auf Lindes T-Shirt strahlten weiß auf schwarz die Worte „Drei Kartoffeln“ dem Publikum entgegen. Noch während ich über den Sinn dieser Worte nachdachte, rockten HIM bereits mit ihrem Ohrwurm „Wings Of A Butterfly“ weiter, dicht gefolgt vom Kracher „Buried Alive By Love“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatten die nordischen Rockgötter ihre Anbeter fest im Griff. Gas Lipstick hämmerte auf sein Schlagzeug, als wolle er es verdreschen. Flackerndes Bühnenlicht der schön gestalteten Lichtshow erhellte den Saal und die Gesichter der Fans, die allesamt gebannt zur Bühne starrten. Bei „Wicked Game“ unterstützten Bassist Migé und Keyboarder Burton Sänger Ville durch gesangliche Parts und rundeten den Refrain des Liedes perfekt ab. Mit „Kiss Of Dawn“ folgte schließlich wieder ein Song des aktuellen Albums und wurde gebührend von den Fans gefeiert. Dass sich Frontmann Ville während dieses Songs den langen schwarzen Mantel auszog, bekamen wohl nicht alle Mädels mit, sonst hätte es bestimmt lautes Kollektivgeschrei gegeben. Aber die meisten waren in dem Moment wohl auf Linde fixiert, der ein grandioses Gitarrensolo hinlegte. Nach „It’s All Tears“ vom ersten Album verschwand Ville von der Bühne und ließ seinen Jungs Spielraum für ein psychedelisches Zwischenstück. Als der heißgeliebte Finne jedoch zum Platz des Geschehens zurückkehrte, wurde aus dem Instrumentalpart der Band langsam das Intro zum Klassiker „Poison Girl“. Ein freudiger Applaus des Wiedererkennens machte die Runde, und die Menge begann zu hüpfen. Nur auf der Empore schien die Euphorie nicht ganz so angekommen zu sein. Dort oben wurde „lediglich“ in die Hände geklatscht, eine Finnland-Flagge geschwenkt und ein „Welcome home“-Schild in die Höhe gehalten. Seit wann ist Köln die Heimat der Finnen? 

Es gab nicht viel Zeit, weiter darüber nachzugrübeln, denn gleich nach „Your Sweet 666“ kündete sich ein erster Höhepunkt des Konzertes an: „Join Me In Death“! Nicht verwunderlich, dass der Song bis in die letzten Reihen lautstark mitgesungen wurde, ist es doch der Song, der die Finnrocker „damals“ in die Charts katapultierte. „This life ain’t worth living“, gröhlte es aus tausenden Kehlen, und Ville brauchte im Grunde nicht mehr selbst zu singen. „Sleepwalking Past Hope“ stand als Nächstes auf der Speisekarte und HIM gaben die Zutaten zu diesem Endlos-Gericht, was sämtliche Geschmäcker eindeutig traf. Ebenso die rockigen Hits „Right Here In My Arms“ und „Soul On Fire“ fanden super Anklang bei allen Anwesenden. Einmal mehr zeigte sich die Textsicherheit des Publikums, und Ville bedankte sich mit wenigen Worten für die Unterstützung. Viel sprach er nicht an jenem Abend, und wenn, war es nur schwer verständlich bei dem frenetischen Jubel nach jedem Song. HIM gaben noch zwei neuere Ohrwürmer zum Besten – „Killing Loneliness“ und das eingängige „Bleed Well“ –, ehe es zum zweiten und damit auch letzten Höhepunkt des Abends kam. Mr. Frauenschwarm Valo wies auf die „wunderschönen Pianomelodien“ hin, Burtons guten Klangteppich sozusagen, um nur kurz darauf „Love’s the funeral of hearts…“ ins Mikro zu schmachten. Na, wer da mal keine Gänsehaut bekam!? Zeitgleich warf eine Discokugel über der Bühne ihr tanzendes Lichtspiel auf die Wände ringsherum und trug nicht unerheblich zu einer gelungenen Atmosphäre bei. In typisch Ville’scher gesanglicher Interpretation verhallte Punkt 23:00 Uhr der letzte Schmachtseufzer des Finnen, er bedankte sich und verschwand, wie kurz darauf auch Migé, Burton und Linde von der Bühne. Gas, der sich am Schlagzeug wie immer völlig verausgabt hatte, verneigte sich tief vor dem kochenden Saal und tauchte dann ebenso unter. Sofort setzten die obligatorischen Zugaberufe ein. Als sich nach knapp zehn Minuten auf der Bühne allerdings immer noch nichts rührte, schien den Fans langsam klar zu werden, dass das HIMmlische Vergnügen ein Ende gefunden hatte, zumindest für Köln. Die Zugaberufe verhallten leicht enttäuscht, als plötzlich das Licht im Saale anging. Aber Zugaben hin oder her: HIM haben mit 15 Songs eine solide Show abgeliefert, die wieder energiereicher und motivierter als auf der letzten Tour schien. Der Funke war im Palladium auf jeden Fall übergesprungen. Draußen erwartete die Fans die kühle Nachtluft und das ein oder andere Mama-Taxi ...
 
Seitlist: 01. Passion`s killing floor, 02. Rip out the wings of a butterfly, 03. Buried alive by love, 04. Wicked game, 05. Kiss of dawn, 06. It`s all tears, 07. Poison girl, 08. Your sweet 666, 09. Join me in death, 10. Sleepwalking past hope, 11. Right here in my arms, 12. Soul on fire, 13. Killing loneliness, 14. Bleed well, 15. Funeral of hearts
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Text: Lea
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(c) Zillo Musikmagazin
 

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