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Illectronic Rock (II)
Interview mit Robert & Stefan [Illectronic Rock], 20.10.2008, Köln/Tourbus



Der Oktober versprach rockig zu werden. Blind machten sich auf den Weg durch Österreich, die Schweiz und natürlich auch Deutschland, um hier mit ihren Songs die Läden zu rocken. Mit an Board ihres Nightliners hatten sie die Mönchberger Jungs von Illectronic Rock genommen. Am 20. Oktober 2008 betraten sie das erste Mal zusammen als Band den Kölner Boden und zeigten in der Werkstatt, was sie musikalisch drauf haben. Nach einem mehr als gelungenen Konzert ging es mit Sänger Robert und Gitarrist Stefan zu einem Interview in den Tourbus.

 
Willkommen in Köln! Zusammen als Band seid ihr das erste Mal hier. Aber was wisst ihr eigentlich über die Domstadt?
 
Robert: Köln ist bekannt für seinen Karneval! Alle sind lustig und immer gut drauf, wie man auch grade in der Halle gesehen hat. Von daher ist der erste Eindruck von Köln einfach super. Hier ist es wirklich besser als in allen anderen Städten, in denen wir bisher auf der Tour waren. Echt Hut ab vor den Leuten hier.
 
Seid ihr denn ein paar Karnevalsjecken?
 
Stefan: Bei uns feiert man auch Karneval, nur heißt es dort Fasching und wir rufen „Helau“ anstatt „Alaaf“. Aber feiern tun wir`s auch – der eine mehr, der andere weniger. Blödsinn kann man zwar auch machen, wenn kein Fasching ist, doch wenn Fasching ist, ziehen wir auch mal los und unternehmen etwas.

Ihr habt gerade ein Konzert hier in der Werkstatt gegeben. Wie fandet ihr es?

Stefan: Wie der Robert eben schon gesagt hat, war die Stimmung überraschend gut. Es war auch, wie ich glaube, die Show mit den bisher meisten Besuchern. Das ist unsere vierte Show, die wir hier mit Blind auf der Tour spielen, und ich hatte das Gefühl, dass auch durchaus ein paar Leute dabei waren, die uns scheinbar schon kannten. In den anderen Städten war dies fast überhaupt nicht der Fall. Aber die gute Stimmung hier war schon sehr erfreulich und so etwas hilft uns auch immer sehr auf emotionaler Ebene. Auf jeden Fall war es cool und für mich bis jetzt der beste Abend.

Robert: Eine Sache stimmt aber nicht, denn es waren in jeder Stadt immer ein oder zwei Leute da, die uns kannten (lacht) und unsere Songs komplett mitsingen konnten. Nur heute waren es, glaube ich, die ersten zweiten Reihen oder so, die mitgesungen haben.
 
Es sind auch ein paar Leute rumgehopst...
 
Robert: Denen haben wir vorher Drogen gegeben. (Gelächter)
 
Ahh okay. Eure Tour begann in Wien und ihr werdet auch noch in der Schweiz rocken. Habt ihr zwischendurch ein wenig Zeit zum Sightseeing oder seid ihr nicht so die Kulturtypen?
 
Stefan: Wenn es die Zeit zulässt und sich das ergibt, dann sind wir das schon. In Wien haben wir das erste Mal ein bisschen Sightseeing gemacht, haben uns die Stadt angeschaut und waren ordentlich essen. Was isst man in Wien? Natürlich Schnitzel!
 
Robert: Wiener Melange war auch auf dem Tisch, also Wiener Schnitzel und Wiener Melange – wie es sich gehört. Die üblichen Verdächtigen halt.
 
Stefan: Heute haben wir uns auch in Köln ein wenig umgeschaut. Leider haben wir es nicht ganz bis zum Kölner Dom geschafft, denn meistens ist die Zeit dann doch knapper gestrickt, als man es eigentlich denken mag. Ich habe mir die Sache immer so vorgestellt, dass du abends irgendwann um neun oder zehn Uhr auf die Bühne gehst und den ganzen Tag über Langeweile hast. Aber letztendlich ist es dann doch immer so, dass du hier kurz was machen musst und dort anwesend sein musst. Und das zieht sich so durch den Tag, dass du dich eigentlich nicht mal für längere Zeit am Stück verdrücken kannst. Aus diesem Grund muss man sich alles gut organisieren. Hinzu kommt, dass man sich auf Tour schnell mal einen ganz anderen Zeitrhythmus aneignet. Wir gehen momentan irgendwie keine Nacht vor fünf oder sechs Uhr pennen. (lacht)
 
Und wie lange schlaft ihr dann?
 
Stefan: Das ist unterschiedlich und kommt immer darauf an, wie gut oder schlecht die Klimaanlage in diesem Bus hier funktioniert, die meiner Meinung nach immer irgendwo zwischen 0 und 60 Grad Celsius tendiert. Dementsprechend kann man manchmal nicht ganz so lange schlafen.

Sind auch ein paar Schnarchnasen im Bus?
 
Stefan: Das hört man eigentlich nicht. Dafür ist der Bus zu laut. (lacht)
 
Robert: Gestern habe ich das erste Mal jemanden schnarchen gehört. Aber ich muss dir, Stefan, komplett widersprechen. Man hätte eigentlich immer Zeit für Sightseeing, denn wir fahren stets die Nacht durch und kommen dann am nächsten Morgen am Veranstaltungsort an. Wann sind wir zum Beispiel heute in Köln angekommen? Zehn Uhr oder so! Und wenn du dann fit bist und ausgeschlafen wärst, dann könntest du sofort losziehen und dir die Stadt anschauen, da der Soundscheck jeweils erst gegen vier Uhr nachmittags startet.


 
Aber ihr liegt lieber den halben Tag im Bett...
 
Robert: Nach den bisherigen Shows ist es immer sehr lustig gewesen und wir sind auch jetzt eigentlich noch in Feierlaune, weil für uns ein Traum in Erfüllung geht, dass wir das erste Mal mit so einem Nightliner fahren und wirklich der Arbeit für eine gewisse Zeit Adieu gesagt haben und jetzt nur Musik machen. Von daher war jeden Abend noch Party angesagt. Und dementsprechend sind wir dann immer auch bis zwei oder drei Uhr Mittags im Bus und kurieren uns aus. Und dann wird es wirklich zu knapp, etwas in der Stadt zu machen. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Tagen, wenn wir nicht mehr durchhalten können und nach dem Konzert wirklich gleich ins Bett gehen. Aber unsere anderen beiden Bandkollegen, Jens und Marco, haben schon eine Ankündigung gemacht, dass sie den Blind-Jungs zeigen wollen, dass man 14 Tage durchsaufen kann. Deshalb glaube ich nicht, dass wir in den nächsten Tagen großartig zum Sightseeing kommen werden.
 
Aber ist es denn so, wie ihr es euch vorgestellt habt, in so einem Nightliner herumzudüsen?
 
Stefan: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß gar nicht genau, was ich mir vorgestellt habe. Es ist natürlich nicht wirklich luxuriös hier zu pennen. Es gibt hier eine Launch und vorne gibt es auch nochmals Sitzplätze, wo man chillen, ein Bier trinken und sich unterhalten kann, was auf jeden Fall cool ist. Aber die Kabinen sind schon irgendwie sehr eng. Wenn du dich hier umschaust, pennen hier in sargähnlichen Schlafkojen 12 Leute und das ist schon recht viel. Aber das Feeling ist irgendwie geil durch die Welt zu düsen und zu wissen „Jetzt bist du endlich mal auf der Tour, die du dir immer erträumt hast!“ Das ist schon cool, auf jeden Fall.
 
Ihr habt es schon erwähnt, dass ihr euch mit Blind den Tourbus teilt. Kanntet ihr die Jungs schon vorher, seid ihr befreundet oder wie habt ihr zusammen gefunden?
 
Stefan: Nachdem im Februar unsere Platte herausgekommen ist, haben wir uns ganz plump bei verschiedenen Booking-Agenturen beworben, haben unsere Platte herumgeschickt und gefragt, wo wir mal mit an Board gehen können. Letztendlich haben wir bei Blind durch das hartnäckig bleiben die Zusage bekommen, worauf wir auch sehr stolz sind. Das war mehr oder weniger unser eigener Verdienst. Da hatte kein Manager oder sonst wer seine Finger mit im Spiel, sondern das war unser eigenes Durchhaltevermögen, was uns dazu gebracht hat. Und dann haben wir die Jungs mal bei einem Konzert in Duisburg kennen gelernt, wo sie auf einem Festival gespielt haben. Das war kurz bevor sie sich entschieden haben, uns mitzunehmen. Und warum auch immer haben sie sich wohl gedacht, dass wir ganz nette Jungs sind. Und da ist dann der Groschen gefallen und sie sagten uns „Kommt mit, ihr seid dabei!"

Im September habt ihr zwei Gigs mit Private Line aus Finnland gespielt. Wie kam es dazu?
 
Stefan: Die Gigs mit Private Line waren eine sehr zufällige Geschichte beziehungsweise eine myspace-Sache. Die genaue Konstellation kenne ich nicht so genau, aber die Booker von Private Line haben über ein paar Ecken von uns gehört und sind auf unser myspace-Profil aufmerksam geworden. Dann hat man sich hin- und hergeaddet und irgendwelche „friends“ von uns haben uns empfohlen, dass uns die Booker mitnehmen sollen. Sie haben uns dann gefragt, ob wir in München den Local-Support machen wollen, obwohl wir eigentlich gar nicht aus München sind, was sie mehr oder weniger verpeilt haben. Wir wollten trotzdem dabei sein und haben zugesagt. Daraufhin haben wir uns auch mal den Tourplan angeschaut und gesehen, dass auch ein Konzert für Frankfurt dabei stand, was eigentlich eher unsere Heimat ist. Wir haben dann gefragt, ob wir da auch mitmachen können und sie waren sofort einverstanden und hatten Bock drauf. Somit haben wir zwei Shows mitgespielt und dadurch auch mal eine etwas neue Zielgruppe kennen gelernt, also eher die Sleaze-Rocker. Das ist schon ein lustiges Völkchen, muss man sagen, aber weitaus toleranter als so ein Durchschnitts-Rockfan. Es war auf jeden Fall geil und die Jungs waren cool, nur ein bisschen strange und verrückt, aber das sind wir auch... (lacht)
 
Was haltet ihr denn von der finnischen Mentalität?
 
Robert: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich gar nicht so viel mit den Jungs von Private Line geplaudert habe, weil sie auch ziemlich viel im Stress waren. Nach der Münchener Show haben wir allerdings noch ein bisschen Party gemacht. Sie sind in jedem Fall nett, höflich und zuvorkommend. Ich habe festgestellt, ob es nun die Finnen oder Blind sind, dass es keine Rivalität mehr unter den Bands gibt. Anfangs bei den ersten zwei Konzerten will noch jeder immer der beste sein und man denkt, dass es einen Konkurrenzkampf gibt. Mittlerweile haben wir realisiert, dass es eher ein Miteinander ist, wenn man mal mit größeren Bands unterwegs ist. Nur weil ich mir eine CD von der einen Band kaufe, heißt es nicht, dass ich die andere CD nicht auch gut finde. Man versucht sich heutzutage gegenseitig zu unterstützen, wo es nur geht. Genauso ist es auch jetzt hier auf Tour und das ist eine sehr entspannte Sache. Man fährt also irgendwo hin und weiß, dass man mit guten, professionellen Musikern unterwegs ist, so wie wir es auch sind, denke ich. Die Atmosphäre ist somit einfach super.
 
Wäre denn Finnland ein Urlaubsziel für euch oder seid ihr mehr die Südtypen?
 
Robert: Ich für meinen Teil bin absolut nicht der Südtyp. Ich bin der absolute Ski- und Snowboardfahrer. Gibt es in Finnland Berge? Das ist doch nicht so der krasse Skiurlaubsort, oder? Von daher juckt mich Finnland eigentlich weniger.
 
Wo könntet ihr euch denn eine Zweitwohnung vorstellen, in welchem Land oder in welcher Stadt?
 
Stefan: Das ist schwer zu sagen. Wir sind alles Landeier und kommen aus einem knapp 2000 Seelen Kaff. Aschaffenburg ist unsere Heimatstadt, sage ich mal, weil wir dort oder zumindest in der Nähe arbeiten und dadurch die meiste Berührung zu Aschaffenburg haben. Aber wir wohnen alle mehr oder weniger noch im Nest, in Mönchberg. Eine Ausnahme bilde ich, da ich zwei Tage vor der Tour noch nach Aschaffenburg gezogen bin. Ansonsten gefällt mir München sehr gut, weil ich dort viele Leute kenne und mir die Szene ganz gut gefällt. Zumindest könnte ich mir recht gut vorstellen, für eine Weile in München zu wohnen. Aber ansonsten käme mir eine Zweitwohnung generell dort gelegen, wo es warm ist und ich am Meer bin.

Also doch mehr so die Sunnyboys...
 
Stefan: Ich schon, der Robert nicht so.
 
In diesem Sommer habt ihr auch in Tschechien gespielt. Wie haben die Leute dort gerockt?
 
Robert: Die Leute gingen sehr gut ab. Aber es war schon irgendwie krass, denn wir sind nach Tschechien rein, fuhren zunächst ganz normal an Städten vorbei und kamen plötzlich immer mehr in Richtung Land. Die Straßen wurden immer kleiner und immer kleiner und immer hügeliger und zerbrochener und wir haben plötzlich weit und breit kein Haus mehr gesehen. In dem Moment dachten wir, man hätte uns verarscht (lacht) und uns einfach irgendwo hingeschickt. Aber auf einmal erreichten wir eine Ortschaft, wohingegen unser Heimatkaff mit gut 2000 Einwohnern wirklich noch eine Metropole ist. Aber dort tauchte plötzlich eine große Wiese mit zwei großen Bühnen auf, was niemand von uns erwartet hatte. Und dort war auch richtig viel los, weil das Festival umsonst war und jeder dorthin kommen konnte. Allerdings war es krass mitzubekommen, dass es den Leuten dort nach wie vor kohletechnisch noch nicht so gut geht.
 
Wie hat sich das gezeigt?
 
Robert: Wenn wir uns Essen aus dem Backstage-Bereich holten, kam es vor, dass Kids uns gefragt haben, ob sie einen Bissen abhaben könnten. Das war hammerhart. Wir haben ihnen dann meistens das Essen dagelassen und sind zurück ins Backstage gegangen, um uns etwas Neues zu holen. Es war auf jeden Fall erschreckend und ich hätte niemals gedacht, dass wir so etwas erleben. Aber es war tatsächlich so. Was allerdings den Rock`n`Roll betrifft, haben sie es dort genauso drauf.
 
Stefan: ...wenn nicht sogar besser. Mir hat es dort wirklich richtig gut gefallen, weil denen da im Prinzip scheiß egal ist, wer da auf der Bühne steht, solang das irgendwie rockt. Ich glaube, dort ist das Szene-Denken nicht ganz so verbreitet, wie es vielleicht in Deutschland oder sonst wo der Fall ist, dass sich die Szenen gegenseitig nichts gönnen und sich bekämpfen, was meiner Meinung nach gar nicht sein müsste. Aber dort in Tschechien hat wirklich der Punk mit dem Heavy-Metaller und dem Gothic nebeneinander gefeiert ohne sich anzupissen. Meiner Meinung nach ist dort Toleranz noch relativ hochgeschrieben und das ist etwas, auf das ich sehr viel Wert lege, und deswegen hat es mir dort sehr gut gefallen.


 
Gibt es in Tschechien eine richtige Szene?
 
Stefan: Scheinbar ja. Wir wurden auch von einer tschechischen Band eingeladen, die wir mal bei einem Festival kennen gelernt haben. Zumindest diese Band hat relativ viele Fans in ganz Tschechien, auch wenn das Land nicht ganz so groß ist. Aber die gehen da ganz gut ab und rocken.
 
Habt ihr dort im Bus oder im Hotel geschlafen?
 
Robert: Wir sind mit unserem VW-Bus, unserem eigenen kleinen Tourbus, dorthin gefahren und haben dort zwar kein Hotel, das wäre zu übertrieben, aber auf jeden Fall etwas mit einem Dach über dem Kopf gestellt bekommen, so etwas wie ein Schullandheim würde ich sagen. Das war schon super. Das befand sich direkt neben dem Festivalgelände und man konnte quasi von der Bühne runter sofort unter die Dusche und ab ins Bett hüpfen.

Wer hat denn diesmal das meiste Gepäck von euch dabei?
 
Stefan: (lacht) Ich kann dir sagen, wer mittlerweile das wenigste Gepäck dabei hat. Verdammte pieeeeep! Vor zwei Tagen hatten wir einen Off-Day, an dem wir selbst nicht, aber dafür Blind abends gespielt haben. Wir sind dann in der Zeit ein bisschen feiern gegangen. Und man weiß nicht genau was oder wie es passiert ist, aber am Abend war mein Koffer noch im Gepäckraum und am nächsten Tag in der nächsten Stadt, als ich ihn rausholen wollte, war er es nicht mehr.
 
Aber die restlichen Koffer waren noch alle da?
 
Stefan: Ja, wir haben alle Sachen unten in unserem Gepäckraum und die restlichen Taschen waren alle noch da. Wir vermuten, weil wir mit dem Bus den ganzen Tag an einem Platz gestanden haben und immer mal wieder am Gepäckraum waren und uns viele Leute dabei beobachten konnten, dass sich jemand gedacht hat „Ich guck mal, was es da drin für mich gibt!“ und dann das Ding irgendwie aufgemacht und sich das Erstbeste – in dem Fall meinen Koffer – geschnappt hat und damit abgehauen ist. Das ist für mich natürlich ein sehr bitterer Beigeschmack, dass es meinen Koffer bei der Sache erwischt hat. Im Koffer befand sich quasi meine komplette Klamottenverpflegung für die Tour. Und na ja, man schwitzt ja auch mitunter so ein bisschen...
 
Das heißt, jetzt musst du dir bei den anderen Klamotten leihen?
 
Stefan: Ich war heute ein bisschen in Köln einkaufen. (lacht) Zum Glück spielen wir Morgen in Frankfurt, was nahe an unserer Heimat liegt, so lass ich mir ein paar Klamotten mitbringen. Aber der Diebstahl ärgert mich schon enorm, muss ich sagen, weil im Koffer viele Sachen sind, an denen auch ein bisschen mein Herz hängt. Shit happens!
 
Robert: Mir kommt es vor, als sei es ein absolutes Fehldenken von den Leuten, die uns mit dem Nightliner rumfahren sehen. Die denken wohl alle, wir müssen die Superstars sein und alle 100.000 Euro auf dem Konto haben, aber das stimmt nur bei mir und nicht bei den anderen. (Gelächter) Und deswegen dachten die sich „Die haben`s ja! Da können wir mal `nen Koffer mitnehmen!“ Also an alle Kids da draußen: Nur wenn man mit einem Nightliner durch die Gegend fährt, ist man noch lange kein Millionär! Und an denjenigen, der uns beklaut hat: Bitte gib uns den Koffer zurück, wenn du das hier liest! (lacht)

Stefan: Wir verschonen dich auch! Wir brechen dir nur eine Hand... (grinst frech)
 
Gibt es bei euch auch manchmal Zickenterror? Wann habt ihr euch das letzte Mal gezofft?
 
Stefan: Wir versuchen das soweit es geht zu vermeiden. Es ist schon klar, dass es hier und da auch Streitigkeiten gibt, wenn man so aufeinander hockt. In dem Fall geht man sich einfach ein bisschen aus dem Weg und dann ist es auch wieder gut. Inzwischen kennen wir unsere Macken ganz gut und können uns gegenseitig einschätzen und wissen dann auch, wann mal gut ist. Wir sind jetzt auch noch nicht so lange unterwegs, aber bis jetzt haben wir uns am leben gelassen und sind auch eigentlich ganz glücklich darüber.

Ihr kennt euch schon was länger, oder?
 
Robert: Genau, wir haben uns schon total aufeinander eingespielt. Der Stefan ist unser Manager, der immer die ganzen Zeiten im Kopf hat und pünktlich ist. Und wenn dann der Rest nicht rechtzeitig kommt, regt er sich auf. Ich bin der Sänger, der Eingebildete, der denkt „Es dreht sich alles nur um mich!“ Dann sind die anderen berechtigterweise sauer auf mich. Marc und Jens sind bei uns die Chaoten, die manchmal ein bisschen mehr machen könnten. Es wird aber alles heißer gekocht, als gegessen wird. Die Tour läuft super und wir sind alle zufrieden. (Stefan nickt zustimmend)
 
Erwischt ihr euch manchmal dabei, dass ihr Selbstgespräche führt?
 
Robert: Ich permanent. (Stefan lacht, Robert bleibt hingegen tot ernst) Das ist wirklich so! Bei meinen Selbstgesprächen ist alles dabei, was du brauchst, ähm, vielmehr was ICH brauche. Was ich mir zu sagen habe, das sage ich mir eben. Wenn es was Ernstes ist, dann sage ich „Hei Robert, biste nicht ganz sauber?“ und wenn es was anderes ist, sage ich „Hei Robert, gut gemacht!“ und so weiter und so fort.
 
Sprichst du dann auch manchmal mit deinem Spiegelbild?
 
Robert: Nee, dabei muss ich nicht in den Spiegel gucken.
 
Aber wie lange stehen Männer grundsätzlich vor dem Spiegel?
 
Stefan: Klar, vor der Show versuchen wir schon ein bisschen was aus uns herauszuholen. Wir investieren eine Menge Kohle für die ganze Geschichte hier und wollen uns natürlich dementsprechend auch verkaufen, wenn möglich nicht nur vom Sound her, sondern auch optisch ein bisschen. Entsprechend versucht man es schon ein wenig aus sich zu machen. Aber ich glaube nicht, dass wir eingebildete Poser sind, außer vielleicht der Robert.


 
Robert: Ja, das mache ich aber nur, weil meine Mutter immer zu mir sagt, dass ich mich anständig anziehen soll, wenn ich auf die Bühne gehe.
 
...und ihr saht auch heute alle anständig aus...
 
Robert: Ja! Meine Mutter wäscht dann auch die Klamotten, die wir zurückbringen, ähm, die ICH zurückbringe. (Gelächter) Und deshalb mache ich auch immer brav, was sie sagt, und versuche auf der Bühne hübsch auszusehen.
 
Das heißt, das äußere Erscheinungsbild ist schon wichtig, wenn man in einer Band spielt?
 
Robert: Ich glaube, dass es wichtig ist, wenn jemand wirklich auf die Bühne geht. Da will niemand den letzten Penner sehen. Es sei denn, es handelt sich um eine Punk-Band, dann gehört das dazu. (lacht) Nee Quatsch, also ich denke, das muss nicht sein und viele Leute denken auch, dass man lieber mal vernünftigere Musik machen soll. Wir stylen uns trotzdem gerne für die Bühne auf.
 
Illectronic Rock würde also nicht mit Jogginghose und Schlabberpulli funktionieren?
 
Stefan: Funktionieren ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber wir würden es nicht wollen. Wir haben uns auch einfach ein bisschen zum Ziel gesetzt, auf der Bühne anders als im täglichen Leben auszusehen. Dementsprechend gehen wir einfach nicht mit Jogginghose auf die Bühne. Aber hier im Bus gibt es keinen Dresscode, sage ich mal. Da wird angezogen, was bequem ist, sofern man etwas hat.

Robert: Ich für meinen Teil bin ein kleiner Klamotten-Freak. Ich ziehe mich gerne hübsch an und gehe auch gerne shoppen.
 
Kommen wir zurück zur Musik: Euer aktuelles Album ist mittlerweile schon etwas länger draußen. Arbeitet ihr bereits an neuem Material? Wie schaut`s aus mit einem nächsten Album?
 
Robert: Momentan sieht´s super aus. Wir haben tatsächlich schon neun Songs fertig, die wir bei uns im Studio vorproduziert haben. Wir haben uns auch zum Ziel gesetzt, dass wir ganz hart am nächsten Album arbeiten werden, sobald diese Tour hier und der ganze Suicide-Angel-Schwachsinn abgeschlossen ist. Wir sind mit den bisherigen Songs super zufrieden und das neue Album wird mit Sicherheit besser und einen Tick außergewöhnlicher als das erste Album. Auch wird es elektronischer, worauf wir es abgezielt haben. Das erste Album war mehr Rock als Elektronik. Beim nächsten Album werden sich Rock und Elektronik vielleicht ein bisschen die Waage halten. Ich persönlich bin auch sehr mit den Texten zufrieden.
 
Schreibst du alles selber, Robert, oder trägt Stefan auch dazu bei?
 
Robert: Wir beide machen alles gemeinsam.
 
Das heißt, ihr sitzt zusammen im Bett und schreibt die Texte? (Gelächter)
 
Stefan: Warum sollten Robert und ich zusammen im Bett sitzen und Texte schreiben? Das verstehe ich nicht. Nee, also die Texte schreibt schon der Robert alleine im Bett, aber die Musik machen wir zusammen beziehungsweise kommt der Anstoß meist von mir und dann tauschen wir uns zusammen im Studio aus. So kommt eines zum anderen.
 
Damit hätten wir alle Unklarheiten beseitigt. (grinst) Halloween steht bald vor der Tür. Ist das was für euch? Feiert ihr so etwas? Verkleidet ihr euch an Halloween?
 
Robert: Ich muss mich nicht unbedingt verkleiden, aber Halloween ist ein guter Anlass, um etwas trinken zu gehen, würde ich sagen. Da sind wir auf jeden Fall dabei, aber ich renne nicht mit Maske herum. Das brauche ich nicht.
 
Gibt es denn andere Traditionen, die ihr bevorzugt?
 
Stefan: Was halt jeder so macht...an Silvester einen ordentlich trinken. Was kommt, wird mitgenommen.
 
Wie würde ein Text über eure Heimatstadt in einem Touristenführer lauten?
 
Robert: Es würde ganz groß „Luftkurort“ oben drüber stehen, weil das tatsächlich so ist. Deswegen sind wir auch alle so gesund. Keiner ist auf der Tour krank. (Stefan hustet extra laut)

Alle hoffentlich Nichtraucher?
 
Robert: Ja, mittlerweile sind wir alle Nichtraucher!
 
Stefan: Was?
 
Robert: Ja, Marco hat aufgehört!
 
Stefan: Echt?
 
Robert: Ja, wir sind jetzt alle Nichtraucher. Aber wir sind alle so fit, weil wir die beste Luft atmen, die es in Deutschland gibt. Ansonsten gibt es in Mönchberg ein super Schwimmbad, in dem wir dieses Jahr ein Festival veranstaltet haben. Das war für uns der absolute Kracher und ein besonderes Highlight. Es waren über 1000 Leute dort bei unserem Konzert. Es war auch das erste Mal, dass wir in unserer Heimat gerockt haben – ein absolutes Fest.
 
Was vermisst ihr an eurer Heimat, wenn ihr wie jetzt auf Tour seid?
 
Robert: Auf jeden Fall schon mal das Bett und Privatsphäre. Das ist etwas, was man hier überhaupt nicht hat. Egal wo du hingehst. Selbst wenn du schläfst, hörst du den anderen nebenan atmen, guckst raus und siehst zwei Leute vorbeilaufen und hörst die ganze Zeit das Brummen vom Bus. Du fühlst dich nie allein, auch wenn du in der Dunkelheit niemanden siehst. Und egal wo du bist, immer ist jemand da. Somit ist Privatsphäre das größte Ding, was dir hier fehlt. 

Stefan: Es fehlt dir auch, dass du nicht jederzeit in die Dusche oder aufs Klo gehen kannst, ohne großartig überlegen zu müssen, was du mitnehmen musst, wann Duschzeiten sind oder wo man überhaupt auf die Schnelle eine Dusche findet. Die Nicht-Singles unter uns vermissen natürlich auch ihre Freundinnen, das ist klar. (grinst) Natürlich leben wir hier auf engstem Raum zusammen und da macht man schon Abstriche. Dass es kein Luxus ist, haben wir vorhin schon einmal erwähnt, aber es ist trotzdem etwas, was wir gerne machen. Deswegen freuen wir uns, dass es noch ein bisschen so weiter geht, aber sind sicherlich auch froh, wenn wir wieder nach Hause kommen.




Interview & Foto 1: Lea S.
Fotos 2-5: taken by Olga W.
Website Band: www.illectronicrock.de


(c) fhradio, darkmoments / www.darkmoments.de

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