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Lacrimosa (II)
Interview mit Tilo Wolff [Lacrimosa], Oktober 2013, mailer



Das Zillo feiert aktuell seinen 25. Geburtstag – und was ist da naheliegender, als mit Szenegröße und Lacrimosa-Mastermind Tilo Wolff einen kleinen Rückblick zu wagen, zumal er das Magazin seit den Anfangstagen kennt?

Tilo, wie hat sich die Schwarze Szene deiner Ansicht nach in den letzten gut 25 Jahren gewandelt? Und siehst du die Entwicklungen eher positiv oder negativ?


Tilo Wolff: Die Gothic-Szene ist seinerzeit aus einem Schmelztiegel von Politikverdrossenheit, Mode als provokante Ausdrucksform und der Vorliebe für die romantische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts entstanden. Das waren tiefschürfende Inhalte, die sich über die Jahre etwas verloren haben oder einfach verflacht sind. Die Texte einer Gothic-Band waren poetisch und befassten sich mit dem menschlichen Innenleben. Heute gilt dies eher als pathetisch und viele Szene-Gänger wissen gar nichts mehr mit solchen Inhalten anzufangen. Die Schwarze Szene hat sich eher zu einer Party-Szene entwickelt, in der man sich selbst abfeiern will und damit nicht mehr weit von unserer Gesellschaft entfernt ist. Dabei ist die Individualität des Einzelnen auf der Strecke geblieben, was hier und da zu fehlender Toleranz führt.

Was fasziniert dich dennoch an der Schwarzen Szene?

Tilo Wolff: Schon immer die Optik! Gothics sind die schönsten Menschen! Und natürlich die Musik, Texte, Vielfalt und Tiefe!

Welches Szene-Ereignis aus den letzten Jahren ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?


Tilo Wolff: Ich bin ein großer Freund des WGT. Dieses Festival, das schwarze Volksfest, ist immer wieder neu ein Highlight! Außerdem finde ich es faszinierend, mit Musik im Gepäck um die Welt zu reisen und dieses Lebensgefühl in alle Winkel dieser Erde zu tragen.

Welche Künstler haben dich entscheidend mitgeprägt?

Tilo Wolff: Bands wie Joy Division, Sisters Of Mercy oder Bauhaus und Künstler wie David Bowie und Klaus Nomi.

Rainer "Easy" Ettler hat das Zillo seinerzeit aus der Taufe gehoben. Wie würdest du seine damalige Vision und Motivation beschreiben, solch ein Magazin zu gründen?

Tilo Wolff: Easy wollte in erster Linie den Menschen ein Zusammengehörigkeitsgefühl schenken. Ihm ging es darum, die Menschen miteinander zu verbinden und ihnen eine gewisse Form von Heimat zu schenken, wenn sie die Zillo aufschlagen und von dem lesen, was sie selbst bewegt. Damals hatte Musik natürlich noch einen ganz anderen Stellenwert, aber das war schon etwas, wenn die neue Zillo erschienen ist! Dann hat man in der Disco darüber gesprochen und fand sich ziemlich gut, das Neuste über seine Lieblingsband zu wissen. Außerdem wollte Easy diese Musik und deren Künstler unterstützen, was ihm bei vielen – wie auch bei Lacrimosa – gelungen ist!

Wie hast du Easy kennengelernt und als Person erlebt?

Tilo Wolff: Easy war exzentrisch, wie wahrscheinlich alle Menschen, die etwas bewegen wollen. Er hatte viele Ideen und die Phantasie sowie Durchhaltevermögen, diese auch umzusetzen. Zum Beispiel gründete er gegen Mitte der 1990er Jahre in Hamburg einen eigenen Club passend zum Magazin, den legendären Zillo-Club. Und kurz vor seinem Tod erfand er den Zillo-Preis zur Förderung deutschsprachiger Künstler, mit dem er uns 1995 während einer großen Gala-Veranstaltung in Lübeck als erste Künstler auszeichnete. Ja, und wie ich ihn kennengelernt habe? Wenn ich mich recht erinnere, geschah das durch die Nummer "Alles Lüge", die ihm so gut gefallen hatte.

Inwiefern konnte man seine Persönlichkeit in den damaligen Ausgaben wiederfinden?

Tilo Wolff: Ach, das ganze Magazin war schon sehr stark von ihm geprägt. Das begann schon mit dem Editorial, in dem er seine Ansichten klar vermittelte. Aber auch die Auswahl der Bands wie auch gewisse Grundregeln waren ganz klar von ihm vorgegeben. Dazu gehörte z.B., dass man keine negative Propaganda gegen den einen oder anderen Künstler abfeuerte. Er wollte zusammenführen, nicht trennen!

Welche Bedeutung schreibst du den Zillo-Compilations zu, die bis heute jeder Ausgabe beiliegen?


Tilo Wolff: Ich persönlich höre mir jede an und freue mich immer, wenn ich etwas Neues entdecke. Und so war das auch schon früher, als die Compilations noch im Handel zu bekommen waren. Bevor es das Internet gab, war die Zillo-Compilation die CD schlechthin, um sich über die Szene zu informieren. Wer auf der Compilation vertreten war, hatte es sozusagen "geschafft". Das war schon etwas Magisches!

Wie oft war Lacrimosa bereits darauf vertreten?

Tilo Wolff: Oha! Vergessen werde ich natürlich nie den ersten Beitrag: Das war 1993 "Alles Lüge". Und der Letzte war "Revolution". Dazwischen müsste es mindestens fünf weitere Beiträge gegeben haben. Ich erinnere mich z.B. an "Siehst Du mich im Licht?" oder "Komet" im Tiamat-Remix. Auf jeden Fall ist das eine lange und schöne Liaison!

Welchem Lacrimosa-Album schreibst du eine ganz besondere Bedeutung zu und warum?

Tilo Wolff: In erster Linie ist das bei mir immer das Aktuelle, in dem Fall also "Revolution". Und zwar einfach deshalb, weil es emotional am nächsten meiner momentanen Entwicklung ist, was sich aus der Sache heraus erklärt. Meine Musik ist ein Spiegel meiner Seele, und was ich heute fühle, übersetze ich auch heute in Wort und Musik. Das Resultat ist also deckungsgleich mit dem, was ich gerne hören möchte. Trotzdem hat man natürlich gewisse Beziehungen zu gewissen Liedern und Alben aufgebaut und dabei ist – so ganz spontan gesagt – das Album "Satura" sicher ein besonderes Werk, wie auch "Elodia" immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben wird. Aber würdest du mir jetzt ein anderes Lacrimosa-Album vorspielen, würde ich mich korrigieren und sagen: "Nein, das ist mir das Liebste!" Denn wenn ich in ein Album eintauche, kommen so viele Gefühle und Erinnerungen hoch, dass ich nicht wieder auftauchen will!

Vor gut einem Jahr habt ihr "Revolution" veröffentlicht. Inwiefern habt ihr schon Pläne für einen Nachfolger geschmiedet?

Tilo Wolff: Ich arbeite gerade an einem neuen Titel, den ich unabhängig von einem neuen Album noch dieses Jahr veröffentlichen werde, und zwar nicht wie gewöhnlich über den Handel, sondern nur in kleiner Auflage als EP in unserem Webshop. Die Idee dazu ist eine relativ ursprüngliche: Früher konnte man alternative Musik nicht überall und jederzeit finden bzw. konsumieren. Man musste den richtigen Händler, den einen Kontakt kennen. Manches Mal habe ich ein halbes Jahr gespart, um dann nach London fliegen und dort die gesuchte oder auch ganz neue Musik kaufen zu können. Das waren ganz andere Dimensionen. Na ja, und so möchte ich noch einmal einen physischen Tonträger veröffentlichen, der den Hauch von Exklusivität an sich trägt. Ich finde das spannend!

Wie ist der neue Song entstanden? Welche Inspiration steckt dahinter?

Tilo Wolff: Nachdem das reguläre Album "Revolution" erschienen war, gab es in Russland und Mexiko eine Special Edition, die einen zusätzlichen Titel mit dem Namen "Morning Glory" enthielt. Nur dessen Resultat stellte mich noch nicht zweifelsfrei zufrieden – was auch der Grund ist, warum er nicht auf dem regulären Album zu hören ist. Da ich diesen Titel in seiner Grundform aber sehr, sehr schätze, hat mir das keine Ruhe gelassen und ich habe ihn mir diesen Sommer nochmals vorgenommen. So ist inzwischen eine zweite Version entstanden, die mich jetzt richtig zufrieden stellt. Diese inspirierte mich dann in der Folge zu dem neuen Titel, an dem ich gerade arbeite. Und so wird die erwähnte EP folgende Trackliste haben: Los geht es mit der neuen Nummer, anschließend kommen beide Versionen von "Morning Glory" und dann ein Ausblick auf das, was 2014 von Lacrimosa zu erwarten ist.

Wann bekommen wir die EP zu hören?

Tilo Wolff: Da ich aktuell noch an der Nummer arbeite, kann ich nur hoffen, dass wir den Plan, alles noch dieses Jahr zu veröffentlichen, auch tatsächlich durchziehen können. Auf unserer Webseite werde ich jedenfalls immer den aktuellen Status bekannt geben.

Auch wenn ihr grade nicht live unterwegs seid, stehen beispielsweise in Mittel-/Südamerika zahlreiche Fan-Partys an. Wie erklärst du dir die dortige Euphorie bzgl. Lacrimosa?

Tilo Wolff: Die einfachste Antwort ist natürlich: weil es so tolle Musik ist! [lacht]. Es ist allerdings schon erstaunlich, dass wir in so vielen Ländern gehört werden, in denen kein Deutsch gesprochen wird. Allerdings gibt es in Mexiko, der Ukraine und in Russland Schulen und Universitäten, an denen anhand von Lacrimosa-Texten die deutsche Sprache unterrichtet wird. Grundsätzlich denke ich einfach, dass die Menschen in vielen Kulturen sehr emotional sind und sich deshalb bei Lacrimosa zuhause fühlen, weil sie die Emotionalität der Musik spüren.



Interview & Fotos: Lea S.
Website Band: www.lacrimosa.ch

(c) Zillo Musikmagazin / Ausgabe 12/13-01/14 / www.zillo.de

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