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Lacrimosa 2016
Lacrimosa/Canterra, 24.02.2016, Köln – Live Music Hall

Lacrimosa sind zu ihrer finalen Runde aufgebrochen, um die letzten Konzerte ihrer Unterwelt-Tour zu rocken. Damit endet eine Zeitreise, die mit den Jubiläumskonzerten der Band im letzten Jahr begonnen hatte. Laut Frontmann Tilo Wolff soll es die letzte Tournee in Deutschland sein – zumindest für lange Zeit. Auf der Facebook-Seite schreibt er dazu: „Ich kehre Deutschland nicht den Rücken! Würde ich das wollen, würden wir diese Tour nicht spielen – das Gegenteil ist der Fall! Es ist schließlich drei Jahre her, dass wir zuletzt in Deutschland touren konnten und es wird voraussichtlich ähnlich lange dauern, bis wir zurückkommen können. Und wer weiß schon, was in der Zukunft liegt und ob es dazu kommen wird.“



Eines ihrer letzten Unterwelt-Konzerte spielten Lacrimosa am 24. Februar 2016 in der Kölner Live Music Hall. Zur Verstärkung brachten Tilo, Anne und ihre Live-Band die Leipziger Melodic-Metaller Canterra mit, die den Abend musikalisch eröffneten – nur leider mit einem zunächst etwas unausgeglichenen Sound. So übertönte am Anfang der wummernde Bass sowohl die Gitarren als auch den Gesang, was sich allerdings von Song zu Song besserte, so dass man nach einigen Minuten endlich auch die klare, kraftvolle Stimme von Frontfrau Korinna hören konnte. Sie hatte sich in ein schwarzes Lederkleid samt roter Strumpfhose gehüllt und ließ auf der benebelten Bühne immer wieder ihre langen Haare kreisen oder vom Ventilator neben ihrem Mikrofon in die Luft pusten.



„Wir sind das erste Mal auf Tour“, verriet Korinna dem Kölner Publikum, das dem Quintett nach jedem Song einen warmen Applaus spendete, während den Liedern bisweilen aber noch etwas steif wirkte. Dabei lieferten Canterra eine dynamische Stage-Performance ab: Die Gitarristen stellten sich immer wieder auf zwei kleine Podeste am Bühnenrand, um „in der Höhe“ zu rocken, Schlagzeuger Max schüttelte unablässig beim Trommeln die Haare, Bassist Tom lieferte zwischendurch ein schwungvolles Bass-Solo, in das die Gitarristen mit eigenen Soli einstiegen. Nicht zuletzt wurde Korinnas klarer Gesang bei dem einen oder anderen Song durch ein paar Growls bereichert. Mit von der Partie waren etwa „Escape“, „Come With Me“, das Korinna einem Fan aus dem Publikum widmete, der wohl immer mit dabei ist, „Save My Life“ sowie „Last Saviour“. Ehe sich die Leipziger von der Bühne verabschiedeten, machten sie noch das obligatorische Band-Publikum-Foto, das mittlerweile auch schon bei Facebook hochgeladen wurde.



Dann waren Lacrimosa an der Reihe. Im Hintergrund der Bühne hatte man ein großes Banner mit dem Band-Clown bzw. aktuellen Album-Cover aufgehängt. Davor das Schlagzeug auf einem Podest. Rechts und links von diesem einige fette Strahler. Da hatte Tilo wohl nicht zu viel versprochen. „Auf dieser Tour fahren wir die größte Lichtshow, die ein Lacrimosa-Konzert je gesehen hat!“, verkündete er Mitte Februar auf der Band-Facebook-Seite. Und ja, über zu wenig Licht konnten sich die Fotografen an jenem Abend während der Show nicht beklagen. Auch nicht über Platzmangel – trotz des fehlenden Fotograbens. Denn die gut 400 bis 500 Gäste füllten die Live Music Hall längst nicht aus und standen vor allem gen Hallenmitte recht locker verteilt. Somit blieb aber für jeden viel Platz zum Tanzen, was während des knapp zweistündigen Konzertes auch gut ausgenutzt wurde.



Eröffnet wurde die Show mit dem „Kelch der Hoffnung“, dicht gefolgt vom ebenfalls neuen Song „Kaleidoskop“, zu dem Keyboarderin Anne, deren Instrument von einem weißen Tuch umhüllt wurde, einige englische Liedzeilen beisteuerte. Die übrigen Musiker hielten sich (noch) dezent im Hintergrund. Erst bei „Schakal“ wagte sich zumindest der Bassist einmal kurz nach vorne, während sich die Gitarristen bei Tilos Performance des Ohrwurms „Stolzes Herz“ einen kleinen Battle lieferten. Dann hatten die Gitarristen eine kurze Pause und Anne und Tilo tauschten ihre Positionen: Die Keyboarderin schnappte sich sein Mikrofon, um „Apart“ zu performen, und er verschwand hinter dem verhüllten Tasteninstrument, um atmosphärische Keyboard-Klänge zum Song beizusteuern. Auch beim spärlich instrumentierten „Crucifixio“ war alle Aufmerksamkeit auf jene beiden Künstler gerichtet, ehe die übrigen Musiker wieder ins Geschehen einstiegen, um mit dem Duo das melodische „Allein zu zweit“ zu zelebrieren, welches vom Publikum mit Klatschen begleitet wurde. Nicht weniger gerockt wurde beim anschließenden Track „Lichtgestalt“.



Tilo, der an jenem Abend nicht allzu viele Worte ans Publikum richtete, hielt im weiteren Verlauf plötzlich eine „kleine Rede“ über das Thema „Farben“, doch irgendjemand aus dem Publikum plapperte dazwischen, woraufhin er „Schhhhhh, zuhören!“ rief und alle lachten. Dann bekam Tilo eine Gitarre in die Hand gedrückt und performte mit seiner Mannschaft den neuen Song „Die unbekannte Farbe“. Anschließend durfte nochmals Anne zum Mikrofon greifen und eine englische Nummer darbieten. Mit „Irgendein Arsch ist immer unterwegs“ verabschiedeten sich die Musiker nur wenig später von der Bühne, wurden aber durch die lauten Zugabe-Rufe der Kölner rasch zurück in den Saal gelockt. Dieses Spielchen wiederholte sich einige Mal, so dass am Ende doch nochmals eine Handvoll zusätzlicher Songs dargeboten wurden. Darunter beispielsweise die Single „Der Morgen danach“, der Kracher „Ich bin der brennende Komet“ und zu allerletzt der Lacrimosa-Hit „Copycat“.

Text: Lea S.
Fotos: Sophie Müller / CouchPhotato


(c) NEGAtief / www.negatief.de

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