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Ministry/MUTW/SelectYourFighter

Ministry/My Uncle The Wolf/Select Your Fighter, 11.06.2008, Köln, Live Music Hall

Nach über 25 Jahren Bandgeschichte soll es nun vorbei sein mit Ministry? So ist es. Doch ehe sich die Band um Frontmann Alain Jourgensen vom Acker macht, überrollen die Mannen derzeit ein letztes Mal die Bühnen dieser Welt, um „Farewell“ zu sagen. So taten sie es auch am 11. Juni 2008 in Köln. Die Live Music Hall war einer der Zwischenstopps der C U LaTour und viele Menschen waren angereist, um Ministry nochmals in bester Live-Verfassung zu sehen. 

Was 1982 als reines Synthie-Pop Projekt in den USA begann, hatte sich über die Jahre durch den Einfluss von EBM und später auch Rhythmus-Gitarren langsam, aber stetig zu einer Industrial-Metal Band entwickelt. Bandmitglieder kamen und gingen und lediglich Alain alias Alien oder auch einfach nur Al ist letztes, verbliebendes Gründungsmitglied aus alten Zeiten, der alle Phasen der Band durchlebt hat. 

Aber bald werden Ministry von der Bildfläche verschwinden, zwar nicht direkt aus den Köpfen der Fans und aus deren CD-Regalen, wohl aber was die Livepräsenz betrifft. Als Abschieds-Geschenke produzierte die Band aus Chicago ein finales reguläres Studioalbum namens „The Last Sucker“ und kreierte ein reines Cover-Album namens „Cover Up“. Auch auf diesen letzten Platten übt Al wieder reichlich Kritik an der republikanischen Regierung Amerikas – teils humorvoll verpackt. Georg W. Bush ist und bleibt „Opfer“ des lyrischen Ausbruchs vom Ministry-Frontmann. 

Doch ehe das Publikum dies in Köln zu spüren bekam, enterten noch zwei Support-Bands die Bühne der Live Music Hall. Anfangs war der Raum noch recht dünn besiedelt. Recht schade für Vorband Nr. 1, Select Your Fighter, die somit mehr für sich selbst als für irgendjemand anderes spielte. Von 19:30 Uhr bis 20:00 Uhr gehörte die Bühne sechs Männern, die Rock und Metal miteinander verknüpften, was allerdings nicht sonderlich bei den wenigen Anwesenden ankam. Nach dem ersten Song fing jemand an „Heyyy heyyyy Baby uh ah, I wanna knooooooow, if you be my girl!” zu gröhlen, um die steife Stimmung ein wenig aufzulockern. Leider erfolglos. Nur verhaltener Applaus machte die Runde. 

                                  

Dann versuchten My Uncle The Wolf als zweite Vorband ihr Glück, mit dem Publikum, das nur langsam wuchs, warm zu werden. Auch ihnen stand dazu eine gute halbe Stunde zur Verfügung. Und ja, langsam kamen die ersten Anwesenden aus sich heraus und wippten zumindest schon einmal mit dem Kopf. Die Band aus Brooklyn präsentierte, wie Sänger Noddy so schön sagte, „some really heavy shit“ und setzte dabei auf Metal mit klarem Gesang, aber auch Screaming und Grunts. Nur an ihrem Style könnten die Jungs noch etwas feilen, so sah man Basser Jeff vor lauter Haaren im Gesicht kaum und Sänger Noddy hatte sich weiße Tennissocken bis fast unter die Kniekehlen hochgezogen. 

                                  
 
Nach dem kleinen mehr oder weniger erfolgreichen Einstieg durch die Supporter hieß es nochmals gut 45 Minuten Geduld aufbringen. Ministry ließen sich Zeit für ihren letzten großen Auftritt in Köln. Plötzlich schienen die Fans der Industrial-Metaller aus allen Löchern zu kommen und im Nu war die Halle, die anfangs so leer gefegt wirkte, brechend voll. Vornehmlich die Herrenwelt hatte es angezogen, aber auch einige Damen tummelten sich im Gewühl und beobachteten neugierig das Treiben auf der Bühne. Dort wurden große, bestimmt drei Meter hohe Baustellenzäune mit Maschendraht aufgestellt, hinter denen sich das Konzert abspielen sollte. 

Keine glückliche Situation für die Fotografen, die sich später im Fotograben abmühen sollten, doch noch ein paar Schnappschüsse zu bekommen. Den Hintergrund der Bühne zierten zur Rechten und zur Linken zwei große Banner mit hunderten Hieroglyphen und dem Logo von Ministry. In der Mitte – wie man bereits einer Vorankündigung auf der Homepage von Ministry entnehmen konnte – fand eine Videoleinwand Platz. Den Mikrofonständer von Sänger Al zierten Knochen und Tierschädel. Das gab eine Vorahnung, dass man es hier nicht mit der softesten Band zu tun haben sollte. 

Doch erst kurz vor halb zehn stürmte diese die Bühne. Allerdings erst nachdem die Mikros noch schnell desinfiziert worden waren und ein schier endloses Intro seinen Ausklang fand. Derweilen hatten sich Ministry bereits am rechten Bühnenrand positioniert, rauchten noch ein Zigarettchen und dann ging es auch los. Sechs Mannen stürmten die Bühne und auch im Publikum ging es direkt zur Sache und es bildete sich sogleich ein fast den gesamten mittleren Innenraum ausfüllender Moshpit aus nackter Haut, Bier und recht bald auch Schweiß. Wem das zu viel war, flüchtete entsetzt an den Rand und rettete seine Haut. Der Rest machte gnadenlos mit.

                                         

Die Fotografen im Graben zwischen Absperrgitter und Bühne versuchten nun ihr Glück während der erste drei Lieder die Bandmitglieder zwischen den Maschen zu erwischen. Lediglich vor dem Mikrofonständer des Sängers reichte der Zaun nicht ganz bis unter die Decke. Und auf diese Lücke zielten einige aus dem Publikum mit leeren Bierbechern. Die schienen ein beliebtes Wurfobjekt an jenem Abend zu sein. Mit Stiften konnte schließlich niemand schmeißen, da diese am Eingang von den Securities eingesammelt worden waren. Ministry gaben nix um die fliegenden Becher, sondern posierten provozierend hinter dem Zaun und spielten mit dem Publikum.

                                       

Die nächsten anderthalb Stunden standen ganz im Zeichen des Industrial-Metals. Die amerikanische Band präsentierte Songs wie „LiesLiesLies“, „N.W.O.“ und „Just One Fix“. Aber auch Klassiker wie „Thieves“, „So What“ und das „The Last Sucker“ durften nicht fehlen. Passend dazu wurden auf der Videoleinwand im Hintergrund ununterbrochen Videosequenzen eingespielt, vor allem aus dem politischen Bereich. So gab es auch ab und an politische Zitate zu hören. Ministry greifen auf ihren Alben recht häufig auf dieses Stilmittel zurück und spicken ihre Songs u.a. mit Original-Tönen von Georg W. Bush. 

Sänger Al, der stets über die runden Gläser seiner Brille hinweg gen Publikum schaute, erinnerte rein optisch ein wenig an Landsmann Ozzy Osbourne. Al trug Schwarz und schwarz war auch die Farbe seines Hutes und der Ellebogenschoner. Immer wieder animierte Al das Publikum zu mehr Power, doch das war bereits völlig ausgelastet. T-Shirts konnten förmlich ausgewrungen werden. Als es hieß, Ministry spielen nun ihren letzten Song, ließen das die Fans natürlich nicht auf sich sitzen und forderten Zugaben. Eine Faust voll bekamen sie. Und als man meinte, das Konzert sei nun vorbei, gab es zum krönenden Abschluss dann noch das Cover „What A Wonderful World“, was sich aus dem Mund von Al aber eher wie ein „What A Wonderful War“ anhörte. Und mit diesem Song beendeten Ministry ihre Show in Köln und entließen das verschwitzte Publikum in die Nacht. 
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Text: Lea
Fotos: Lea

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(c) darkmoments 

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