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Pain 2016
Pain/The Vision Bleak/Dynazty/Billion Dollar Babies, 23.10.2016, Essen – Turock

Ein langer Abend sollte es im Turock werden, denn für den 23. Oktober 2016 hatten sich die Industrial-Metaller Pain inklusive dreier Vorbands angekündigt: The Vision Bleak sowie die schwedischen Bands Dynazty und Billion Dollar Babies. Und für einen Sonntagabend ward der Club in der Essener Innenstadt ordentlich gefüllt.

Punkt 19 Uhr stürmten die ersten Supporter – Billion Dollar Babies – die Bühne und wärmten das Publikum mit treibenden Hard-Rock-Klängen auf. Frontmann und Sänger Frankie Rich freute sich sichtlich über die zahlreich erschienenen Zuschauer – „You’re coming out on a f***ing Sunday!“ –, erlaubte sich zugleich aber auch einen kleinen Scherz: „Are you eating a lot in Essen?“ Der brachte ihm ein paar Lacher ein. Ansonsten konnten Frankie und seine Mitmusiker die Zuschauer zum Bangen und Klatschen animieren, zumal sich Songs wie „I Want To See You Burn“ und „President Payne“ geradezu anboten, abgefeiert zu werden. Wer später mit den schwedischen Herren, die teils Netzoberteile wahlweise mit Fellkragen und Nietenbesatz trugen, einen Plausch halten wollte, hatte nach dem Auftritt ausgiebig Gelegenheit dazu. „We will be hanging out at the merch booth“, versprach Frankie, ehe er mit „Everyone’s In Love With A Chemical God” den letzten Song des Abends ankündigte.



Ebenfalls sechs Songs in gut 30 Minuten boten Dynazty dar, die die neblige Bühne gegen 19:45 Uhr betraten. Fünf junge Musiker aus Schweden, überwiegend langhaarig bis auf den Schlagzeuger John Löfgren – der hatte sich ein Stirnband um den Kopf geschlungen und trommelte ersatzweise für George Egg, der erst ab November an der Tour teilnehmen kann. Sänger Nils Molin, der erst wenige Tage zuvor seinen Geburtstag gefeiert hatte, ähnelte aufgrund seiner lockigen Mähne ein wenig dem Frontmann der vorangegangen Band – und selbst musikalisch gab es Parallelen. So bekam das Essener Publikum von den Stockholmer Jungs melodische Hard-Rock-Klänge auf die Ohren. Und immer wieder lieferten sich die Gitarristen Love Magnusson und Mikael Lavér ein Duett bzw. einen Battle an ihren Saiteninstrumenten, so beispielsweise beim eingängigen „The Human Paradox“ oder beim Track „The Northern End“. Der Bassist Jonathan Olsson stand zwischendurch mit einem eigenen Solo im Mittelpunkt des Geschehens, an das Dynazty mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums „Titanic Mass“ im Flackerlicht anknüpften. Den Abschluss bildete der Song „Starlight“. Dann noch schnell ein Gruppenfoto mit den Zuschauern gemacht und schon wurde innerhalb von 15 Minuten das Set für die dritte Support-Band umgebaut.



Bei The Vision Bleak gab es immerhin ein wenig Deko auf der Bühne: ein von Efeu umranktes Grabeskreuz mit Totenschädel und einem Greifvogel, der über allem seine Schwingen ausgebreitet hatte. Auch bei dieser Band ward der Schlagzeuger an den rechten Bühnenrand gequetscht, während die anderen drei Musiker die linke Seite und Mitte in Beschlag nahmen. Die Gesichter: weiß geschminkt. So muss das sein, wenn man Horror-Metal spielt. Im Fokus: die Masterminds Konstanz am Mikro und Schwadorf mit seiner Gitarre, der aber auch immer wieder ein paar zusätzliche Vocals und Screams beisteuerte. Leider ward der Gesang in den ersten Reihen nur spärlich zu hören; er wurde von den Instrumenten schlichtweg übertönt. Wer sich indes weiter hinter im Raum oder an den Seiten des Clubs positioniert hatte, durfte sich über einen deutlich besseren Sound freuen. Doch schienen diese soundtechnischen Differenzen ohnehin niemanden zu stören – The Vision Bleak wurden ordentlich gefeiert und Songs wie „The Night Of The Living Dead“ – inklusive Gitarrensolo – sowie „Into The Unknown“ von den Zuschauern laut mitgesungen. Sänger Konstanz verschwendete nicht viele Worte ans Publikum, ließ aber hin und wieder ein „Danke“ verlauten. Dann fragte er plötzlich „Can you say Kutulu?“ und kündete damit quasi den nächsten Song an: „Kutulu!“. Es folgten noch zwei weitere Nummern, ehe die Herren Konstanz und Schwadorf mit ihren Livemusikern die Bühne für den Headliner frei machten. Die Zugaberufe blieben leider unerhört.



Auf einem großen Banner im Hintergrund der Bühne prangten dem Publikum bereits die Buchstaben PAIN entgegen. Das Schlagzeug hatte man auf einem Podest davor positioniert. Rechts und links und überall zahlreiche Strahler. Noch während auf der Bühne alles zurecht gerückt wurde, lief im Hintergrund „Rebel Yell“ zur Einstimmung. Kurz vor 22 Uhr war es dann endlich soweit. Peter Tägtgren – in eine weiße Zwangsjacke gehüllt – und seine Mannen enterten die in grelles Flackerlicht und Nebel getauchte Turock-Bühne und legten sogleich mit dem Opener „Designed To Piss You Off“ des neuen Pain-Albums „Coming Home“ los. Das Publikum schien direkt Feuer und Flamme, doch zunächst war es noch durchaus angenehm, in den ersten Reihen zu stehen. Später sollte es dort etwas turbulenter zugehen. Schließlich heizten die Schweden den Essenern ordentlich ein – sei es mit dem Stampfer „Suicide Machine“, bei dem die drei Herren an den Saiteninstrumenten synchrones Headbangen übten, oder mit „The Great Pretender“. Der neue Song „A Wannabe“ wurde indes mit Akustikgitarre eingeleitet und Peter richtete erstmals ein paar Worte an die Zuschauer: „It’s f***ing great to be back again!“



Dann fragte er: „Are some Zombies here?“ Natürlich konnte daraufhin nur das Lied „Zombie Slam“ folgen. Mit dem Stampfer „End Of The Line“ brachten die Industrial-Metaller zahlreiche Zuschauer im Turock zum Hüpfen, während bei „It’s Only Them“ plötzlich ein Maskenmann über die Bühne schlich. Das sollte allerdings nicht die einzige „Showeinlage“ des Abends sein. Denn die Single „Call Me“ gaben Pain auch zum Besten. Und wer das dazugehörige Video mit den „Puppen“ kennt, dürfte nicht sonderlich verwundert gewesen sein, als plötzlich am rechten Bühnenrand die Joakim-Brodén-Puppe auftauchte, um ihren Part des Songs zu performen. Durchaus amüsant!



Ferner gaben die Schweden noch das balladeske „Starseed“, die Nummer „Dirty Woman“, die Peter den weiblichen Zuschauern widmete, sowie den All-Time-Hit „Same Old Song“ zum Besten. Und eine Zugabe durfte am Ende natürlich auch nicht fehlen. So gab es zum Abschluss des gut anderthalbstündigen Sets noch „Shut Your Mouth“ auf die Ohren, ehe sich Pain mit Verbeugung und Händeschütteln von der Bühne und den Zuschauern verabschiedeten.

Text & Fotos: Lea S.


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