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Slipknot/Machine Head/COB

Slipknot/Machine Head/Children Of Bodom, 24.11.2008, Düsseldorf, Philipshalle

Montag, der 24. November 2008. Es ist halb fünf am späten Nachmittag. Vor der Düsseldorfer Philipshalle hat sich ein nicht unerheblicher Menschenpulk angesammelt von vorwiegend schwarz oder zumindest dunkel gekleideter Gestalten. Einige sitzen noch in ihren Autos, um sich warm zu halten, denn es hat sich sage und schreibe an diesem Tag eine feine Schneeschicht auf den Straßen und Dächern ausgebreitet. Der Winter rückt langsam, aber bedächtig näher. Vielleicht wurde er auch aus Finnland mitgebracht, denn an diesem Abend haben sich nicht nur Slipknot und Machine Head in NRWs Landeshauptstadt angekündigt, sondern auch die Finnen von Children Of Bodom. Ein wahres Kracher-Trio also, das die Düsseldorfer Philipshalle nur gut drei einhalb Stunden später auf den Kopf stellen soll. Doch noch müssen sich die Fans in Geduld üben und in der Kälte ausharren, denn erst Punkt 18:30 Uhr öffnet die Halle ihre Tore. Und selbst dann dauert es noch eine ganze Weile, bis schließlich alle ihren Weg nach drinnen ins Warme finden. Gründliche Taschen- und Von-Oben-Bis-Unten-Abtast-Kontrollen halten den Verkehr auf.

              

Doch als Support-Band Nummero 1, die Kinder vom See Bodom, kurz nach 20:00 Uhr die Bühne entern, haben es doch schon die Meisten nach drinnen geschafft und sich vor der Bühne versammelt. Die Erstankömmlinge bekommen ein rotes Bändchen und dürfen während des ganzen Abends ungehindert zwischen vorderem Drittel der Halle und den hinteren zwei sowie den Tribünen hin- und herwechseln. Im vorderen Teil halten sich an diesem Abend nur die Hartgesottenen auf, denn sobald Children Of Bodom mit ihrem Opener „Hellhounds On My Trail“ loslegen, verwandelt sich der Platz vor der Bühne in ein pogendes Meer. Die Finnen-Power ist sogleich auf alle Anwesenden übertragen und äußert sich in fast unkontrolliertem Durcheinander-Hüpfen und Haare-Durch-Die-Luft-Schleudern. Da wird es schnell warm in der großen Halle, die sich bis zum Auftritt der Headliner Slipknot noch bis in die hintersten Ecken auf knapp 6000 Leute anfüllen soll. Doch erst einmal gebührt den finnischen Metallern vom Bodom die Ehre, das Publikum weiterhin anzuheizen. „In Your Face“, „Blooddrunk“ und „Angels Don`t Kill“ tragen nicht unerheblich dazu bei und lassen der Band sowie ihren Fans kaum eine Atempause. 

             

Sänger Alexi Laiho hechtet über die Bühne, bearbeitet gekonnt seine schwarze Flying-V und liefert sich immer wieder mit Janne Warman an den Keyboards ein Duell. Auch Bassist Henkka und zweiter Gitarrist Roope bleiben nicht still stehen und wechseln immer wieder die Plätze, um auch mal aus anderer Perspektive zu rocken, während Drummer Jaska natürlich an seinen Platz gebunden ist. „Are you having a good time?”, ruft Alexi ins Mikro und bekommt ein lautes, grölendes “Yeah” als Antwort. Somit geht es weiter im Programm mit „Silent Night, Bodom Night“ und schließlich dem Kracher „Hatecrew Deathroll“, der Children Of Bodom nochmals zu Höchstleistungen antreibt. Alexi hüpft wild headbangend über die Bühne und spornt das Publikum zu weiteren Moshpits an, die an diesem Abend kein Ende nehmen wollen. Nur als Children Of Bodom nach gut 30-minütiger Show und sechs Songs ihren leider viel zu kurzen Auftritt beenden müssen, gönnen sich die Anwesenden eine kurze Erholungspause und werden schnell die noch überflüssigen Klamotten los.

             

Währenddessen fällt das riesige Children Of Bodom-Banner zu Boden und wird gegen das Logo von Machine Head ausgetauscht. Schnell ein letztes Mal die Gitarren gestimmt. Dann kann es gegen 20:45 Uhr auch schon mit Support-Band Nummero 2 losgehen. Zum wiederholten Male wird es also dunkel im Saale und erklingt ein Intro, welches diesmal die US-amerikanische Metal-Band Machine Head ankündigt. Und die vier Mannen legen sogleich in grünes Scheinwerferlicht eingetaucht mit „Clenching The Fists Of Dissert“ von ihrem aktuellen Album los. Der Innenraum der Halle ist nicht mehr zu stoppen und verwandelt sich erneut in ein pogendes Meer aus mittlerweile klebrigen und verschwitzten Gestalten. Wer in diesem Herumgehüpfe zu Boden fällt, dem wird sofort wieder auf die Beine geholfen. Anderen, denen das Gehopse und Geschupse zu wüst ist, flüchten regelrecht aus dem vorderen abgesperrten Drittel in die hinteren Parts der Halle oder auf die Tribünen. Alle anderen versuchen sich irgendwie im pogenden Menschenmeer über Wasser zu halten und dabei auch noch etwas vom Geschehen auf der Bühne mitzubekommen. Gar nicht so einfach, wenn hunderte, nein tausende Arme im Weg sind und die Haare fliegen. Und alles Machine Head-Fronter Robert Flynn Schuld, wenn er animierend „Düsseldorf, do you know how to headbang? Let me see you headbanging!” ins Mikrofon grunzt. 

             

Tracks wie „Imperium“ und „Aesthetics Of Hate“ halten die gute Stimmung weiterhin aufrecht. Als Dankeschön gibt es von Rob Getränke im Becher, die er im hohen Bogen in die Menge wirft, wobei sich die Hälfte jeweils schon im Flug über der Masse verteilt und zum Klebefaktor bei allen beiträgt. Aber das scheint den Fans egal zu sein. Viele haben sich bereits ihrer Shirts entledigt und tanzen mit nacktem Oberkörper, das T-Shirt jeweils wie ein Lasso über dem Kopf schwingend, durch die Menge. „Düsseldorf, 1-2-3-4 Jump!“, fordert Fronter Rob nun auf und leitet damit den Rocker „Old“ ein, um diesem zusammen mit seinen Bandkollegen Adam, Phil und Dave nur kurz darauf „Halo“ anzuschließen, bei dem es im Publikum ein synchrones Headbanging gibt. Dieses artet nach und nach in einen riesigen Circle-Pit aus, der seinen Höhepunkt im letzten Song „Davidian“ erreicht, bei dem wirklich niemand mehr im Saale still steht. Es ist 21:40 Uhr als die letzten Gitarrenriffs von Machine Head ausklingen. Erstaunlich nur, dass das Quartett für eine gleiche Songanzahl wie Children Of Bodom fast die doppelte Spielzeit brauchte. Entweder waren die Lieder alle unendlich lang oder Rob hat einfach zu viel gequatscht. Wie auch immer. Jedenfalls hat es gerockt und das ist die Hauptsache.

             

Und rocken, das können auch Slipknot aus Amerika. Nur sind sie nicht zu viert, sondern gleich zu neunt: Corey Taylor, Paul Dedrick Gray, James Root, Chris Fehn, Mick Thompson, Sid Wilson, Joey Jordison, Craig Jones und Shawn Crahan. Doch ehe sie mit ihrer imposanten, gut 90-minütigen Show loslegen, ist auch hier erstmal noch eine kleine Umbaupause angesagt. Um den Blick derweilen auf die Bühne zu versperren, wird ein großer schwarzer Vorhang zugezogen, der die Spannung weiter ankurbelt. Man merkt, wie langsam die Nervosität im Publikum steigt. Hier und da grölt jemand den Namen der Headliner, was letztendlich in laute, synchrone „Slipknot“-Rufe übergeht. Alle Blicke sind gespannt nach vorne gerichtet, als sich endlich um 22:15 Uhr der Vorhang wieder öffnet und den Blick zur Bühne freigibt. Das Intro von Slipknot erklingt, während Joey Jordison recht bald seinen Platz hinter den Drums einnimmt, die auf einem hohen Podest stehen. Nach und nach entert die Slipknot-Sippe – wie gewohnt maskiert – die Bühne und nimmt sie vollkommen in Beschlag. Zur Linken Chris mit langer Pinocchio-Nase an den Perkussions, zur Rechten Shawn mit schwarzer Ledermaske, roter Clownsnase und Reißverschlussmund, der ebenfalls seine Trommeln bearbeitet. DJ Sid in heller Totenmaske hat sich hinter ihm auf einem kleinen Podest positioniert, während Craig, der fürs Sampling zuständig ist, links vorm Schlagzeug einen Platz gefunden hat. Neben ihm Paul mit düsterer Hannibal Lecter-Maske am Bass. Die vorderen Positionen teilen sich die beiden Gitarristen James in Gaukler- und Mick in Eishockeymaske gehüllt, sowie Sänger Corey Taylor in einer weiß-grauen Maske. 

             

Mit dem impulsiven „Surfacing“ legen die Herren sogleich los und haben die Massen direkt auf ihrer Seite. Natürlich haben Slipknot an diesem Abend auch nicht an Pyro-Effekten gespart, so schießen immer wieder Feuerfontänen gen Hallendecke und heizen der Band und dem Publikum zusätzlich ein. „Guten Abend Düsseldorf! Wie geht es euch? Ich liebe Deutschland!“, begrüßt Corey in seinem besten Deutsch die Menge und sammelt damit direkt Pluspunkte. Schon früh in der Setlist präsentieren Slipknot ihren Hit „Before I Forget“, den alle lauthals mitgrölen. Es wird gehüpft, es wird gebangt und Shawns Trommel-Set dreht sich dabei lustig im Kreis, erhebt sich in die Höh und kommt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Zwei Kameras, die Schnappschüsse von der Band und den ersten Reihen einfangen, sind an Shawns Trommeln montiert. Zeitgleich werden die Schnappschüsse auf einem großen Monitor dargestellt, der an seiner Hebebühne befestigt ist, die stets in Bewegung ist. Mit dem melodischen „Dead Memories“, der aktuellen Single der Band, lassen Slipknot einen etwas massentauglicheren Song erklingen, um im direkten Anschluss mit Tracks wie „Psychological“ und „The Heretic Anthem“, bei dem Sid ein paar Klimmzüge an Shawns Hebebühne macht, wieder Vollgas zu geben. Gleichzeitig liefern sich Mick und James einen Battle im Bangen, wobei letztendlich aber Craig siegt. Bei ihm sieht es einfach zu köstlich aus wie seine „Nägel“ im Kopf beim Headbangen hin- und herwippen. Bevor es mit „Prosthetics“ weiter geht, lässt es sich Corey nicht nehmen, noch eine kleine Rede zu schwingen: „In the year 2009 there will be the 10 years anniversary of the very first Slipknot-album being released on Roadrunner Records. Thank you to everyone here who supported us through the crazy fucking time. Thank you so much, you have no idea…”. Corey klingt sichtlich gerührt, als er sich für die Unterstützung der Fans bedankt. 

              

Nebelschwaden ziehen derweilen über die Rampe, die hinter dem Schlagzeug verläuft und an der auch die Düsen befestigt sind, aus denen es immer wieder Feuerregen hagelt. Nach „Prosthetics“ folgt „Spit It Out“, bei dem sich der komplette Innenraum wie vorprogrammiert auf die Knie begibt und erst auf Coreys Zeichen hin zusammen aufspringt und völlig aus sich herausbricht. Schließlich folgt mit „Duality“ ein erneuter Höhepunkt der Slipknot-Show, die nur wenige Minuten später mit „Only One“ vermeintlich endet. Doch das lässt das Publikum natürlich nicht auf sich sitzen und fordert einstimmig Zugaben. Und ja, die gibt es natürlich auch. So lassen es die neun Mannen zum Abschluss noch einmal richtig krachen, nicht nur musikalisch, sondern auch optisch, sprich mit Feuerfontänen und Raketen. Und alle kommen noch in den Genuss von „People=Shit“ und „(sic)“, womit sich Slipknot schließlich endgültig von der Bühne und dem Düsseldorfer Publikum verabschieden. Sehr spektakulär die Jungs und ihre Show, das muss man ihnen lassen. Und jetzt, da sie weg sind, machen sich auch die gut 6000 Menschen in der Philipshalle langsam, aber mit zufriedenen Gesichtern und nach kurzem Abstecher zum Merch auf den Weg hinaus in die kalte Nacht und auf eine hoffentlich rutschfreie Heimfahrt.
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Text: Lea
Fotos: Lea

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(c) darkmoments, Terrorverlag

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