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Steorrah
Interview mit Steorrah, März 2015, mailer



Fünf Jahre ist es bereits her, dass die Death-Metaller Steorrah ihr Debüt „An Eroticism In Murder“ veröffentlicht haben. Nun, 2015, beehren sie uns mit einem zweiten Longplayer, auf dem sich diesmal alles um Albträume dreht. Sänger und Gitarrist Andreas März sowie Gitarrist Nicolao Dos Santos verrieten im Interview noch weitere Details.

Die Produktion des neuen Steorrah-Albums, frisch gemastert von Dan Swanö, hat eine Weile in Anspruch genommen. Was ist der Hintergrund?

Andreas: Wir haben das Gros der Aufnahmen mit Michael Haas im Big Easy Studio gemacht und das Album auch komplett dort von Michael mischen lassen. Leider lagen die Aufnahmen den vergangenen Sommer über auf Eis; denn als ich eigentlich den Gesang machen sollte, kam ein schwerer Krankheitsfall in meiner Familie dazwischen und ich musste für mehrere Monate meine Prioritäten setzen. Aber Ende des Sommers konnten wir dann wieder mit vollem Elan an die Arbeit gehen.

Wann hattet ihr mit dem Songwriting für die neue Platte begonnen?

Andreas: Das Gros des Materials ist innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden. Die genaueren Strukturen und einige neue Parts kamen dann im letzten Herbst dazu.

Nicolao: Der Großteil des Materials stammt ja von Andreas, aber meinen Anteil habe ich geschrieben, als wir neues Material im Proberaum angespielt hatten. Das war Anfang letzten Jahres, glaube ich. Die Soli, die ich beisteuere, sind dann nach und nach entstanden, nachdem einige Songstrukturen und die Riffs klar waren, über die ich solieren sollte.

Wie geht ihr generell beim Songwriting vor? Wer hat welche Aufgabe inne?

Andreas: Die prinzipiellen Songideen, tragenden Riffs und Dynamikbögen stammen von mir. Meist habe ich beim Schreiben eines Riffs auch schon Textfetzen im Kopf und eine Vorstellung, welche Atmosphäre das Ganze haben soll. Sobald ich genügend Songfragmente gesammelt habe, setze ich mich dann an meine Notationssoftware und probiere aus, wie die verschiedenen Parts zusammenpassen. Vor allem mit Nico, der mit dem gleichen System arbeitet, tausche ich dabei schon Ideen aus. Sobald sich halbwegs fertige Songs herauskristallisieren, treffen wir uns im Proberaum oder im Studio nochmals als Band, um das Ganze zum Leben zu erwecken. Dabei werden durchaus ganze Parts völlig verändert oder sogar gestrichen. Im Endeffekt muss ein Song mit der kompletten Band funktionieren. Die Texte zum neuen Album wiederum habe ich größtenteils in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit geschrieben – sehr „oldschoolig“ in mein Moleskine-Notizbuch.

Nicolao: Ich sehe mich in dieser Band im Gegensatz zu meiner anderen Band Hadean wirklich als Sideman. Zunächst versuche ich, Andreas‘ Ideen so zu spielen, wie sie gedacht waren, und dann schauen wir im Team, was wir daraus noch so entwickeln können. Aber meine Hauptaufgaben bei den Kompositionen von Steorrah sehe ich darin, mal eine zweite Meinung als Songwriter zu geben, mal Harmonien zu schreiben und Lead-Gitarren beizusteuern. Desweiteren, so denke ich, verstehe ich Andreas‘ Soundvorstellungen mittlerweile ganz gut. Und ich habe immer einige Ideen im Hinterkopf, wie man etwa einen bestimmten Sound produktionstechnisch hinbekommt oder welche speziellen Gitarreneffekte möglich sind.

Andreas: …wobei sein Anteil an der Produktion dafür schon ziemlich groß ist. Ich glaube, da kristallisiert sich auch gerade eine Arbeitsweise heraus, bei der das Songwriting von mir und Nicos technisches Knoff-hoff ineinander übergehen. Vieles von der Produktion hätte ich alleine so nicht hinbekommen.

Was sind eure Inspirationsquellen?

Nicolao: Musik, Kunst, Literatur…eigentlich das Leben an sich. Die Grenzen zwischen diesen Dingen verschwimmen für mich immer mehr (verdammt seid ihr Marcel Duchamp und John Cage!!! Hahaha).

Andreas: Existentielle Dilemmata und Monty Pythons Flying Circus – da kann ich mich Nico nur anschließen. Manchmal sind es schlicht alltägliche Dinge, die einen inspirieren oder genug anpissen, Death Metal zu schreiben. Aber manchmal ist es auch ein Foto, ein Gemälde oder der Versuch, aus „Tausend Plateaus“ von Deleuze und Guattari schlau zu werden. Aber auch sehr persönliche Dinge, Menschen, denen man begegnet, und deren Geschichten.

Steorrah widmen sich grundsätzlich dem Death Metal, doch steht auf eurer Facebook-Seite auch etwas von Jazz-Einflüssen. Wie passt das zusammen?

Nicolao: Hm, unser Background ist ja auch teilweise 70er Jahre Progressive Rock und Bands wie King Crimson bestanden ja zeitweise fast ausschließlich aus Jazz-Musikern. Im Jazz Rock und Fusion wurde Hard Rock und Jazz schon vor Dekaden zusammengebracht, denkt man z.B. an Miles Davis oder Al Di Meola. Deshalb glaube ich, dass dies nicht unbedingt so ungewöhnlich ist; wir sind halt nur eine ganze Ecke härter.

Andreas: Ich sehe da ehrlich gesagt überhaupt keinen Widerspruch. Ich habe lange genug in einer Jazz-Band gespielt, um zu merken, was da teilweise für ein kakophoner Lärm gemacht wird, haha. Einige Spieltechniken im Metal gäbe es nicht, wenn Jazz-Musiker da nicht irgendwann mal Pate gestanden hätten. Black Sabbath haben anfangs Jazz gespielt, und wenn du Musik suchst, wo die Musiker handwerklich etwas auf dem Kasten haben müssen, dann sind nun einmal Metal und Jazz ziemlich weit vorne mit dabei.

Was hört ihr denn privat für Musik?

Andreas: Im Alltag höre ich nicht mehr so viel Metal, aber einige Klassiker dafür immer mal wieder gerne. Alte Tiamat, Bolt Thrower oder At The Gates gehen immer klar. Doch eigentlich höre ich auf dem Weg zur Arbeit oder am Rechner ganz gerne Portishead, Lamb oder alten Prog Rock. Und halt immer wieder Tom Waits und britischen oder irischen Folk. Aber ab und an gibt’s auch aktuelle Platten, die ich sehr gerne mag, beispielsweise Hexvessel, Astra, Pehrson's Humbucker oder auch das aktuelle Warpaint-Album. Was mir hingegen völlig am Allerwertesten vorbei geht, ist dieser ganze Hype um die 60er Jahre und die teils unfassbare Arroganz dieser Subszene.

Nicolao: In den letzten Wochen höre wieder erstaunlich viel Metal, nachdem das über die Jahre sehr nachgelassen hatte. Allerdings weniger neuere und extreme Bands als Wiederentdeckungen meiner Jugend, also die Thrash- und Power-Metal-Sachen von Metallica, Sepultura zu Morgana Lefay und Iced Earth. Die letzten Jahre habe ich mich eigentlich hauptsächlich anderen Bereichen gewidmet: viel brasilianische Musik wie Choro und Bossa Nova, daneben etwas Trip Hop, Jazz, Progressive Rock, und, bedingt durch mein Studium, klassische Gitarrenliteratur wie Lautenmusik der Renaissance und des Barocks sowie zeitgenössische Gitarrenmusik. Außerdem höre ich gerade relativ viel klassische Orchester- und Chormusik.

"An Eroticism In Murder" lautet der Titel eures letzten Albums. Wie erotisch geht es denn auf dem neuen Werk musikalisch zu?

Nicolao: Andy wird nackt auf dem Cover zu sehen sein! Das hat er uns versprochen!

Andreas: Sehr witzig. Ich könnte jetzt kontern à la „Deine Mudder is auf dem Artwork“, aber das ist nur komisch, wenn man das Artwork schon gesehen hat. Spaß beiseite, der Erotikfaktor im Titel des Debüt-Albums hatte ja auch ein gewisses ironisches Element. Ich denke nicht, dass ein Death-Metal-Album primär erotisch wirken muss.

Könnt ihr uns schon einen konkreten Einblick ins neue Werk gewähren?

Andreas: Das Album heißt “II: Thin White Paint”. Songtitel sind z.B. “The Milk Of Human Kindness”, “Tea Leaves For Eosphoros”, “Winchester Geese” oder “I Think I Saw The Black Dog”.

Worum geht es inhaltlich? Gibt es einen roten Faden?

Andreas: Es gibt eine Art roten Faden, ja. Es dreht sich alles um Albträume – allerdings nicht immer zwingend sprichwörtlich. Einige Songs beschäftigen sich mit Albträumen, die ich als Kind oder als Jugendlicher tatsächlich hatte, aber andere drehen sich mehr um albtraumhafte Situationen aus dem echten Leben. Es ist kein Konzeptalbum, aber eine gewisse Kohärenz ist da schon.

Um die Plattenproduktion zu finanzieren, habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und war sie gänzlich von Erfolg gekrönt?

Nicolao: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Andreas: Yep. Es gibt halt in der hiesigen Szene einmal Bands, bei denen alle irgendwie Jobs in der Industrie haben und dementsprechend mit Mitte 20 schon tausende Euros in ihre Band stecken konnten. Und dann hast du da Studentenbands wie uns...Die Idee, dem Crowdfunding eine Chance zu geben, hatte ich, nachdem ich von der Kickstarterkampagne von Amanda Palmer las. Ich kenne Leute, die daran teilnahmen und total begeistert waren. Wir haben daraufhin mit einigen Fans und Freunden der Band gesprochen, ob sie sowas cool fänden, und im Endeffekt dachten wir uns, dass wir da eh nicht viel zu verlieren hätten. Die Plattform, für die wir uns dann entschieden haben, Sellaband, gibt einen Mindestbetrag vor, den man sammeln muss, nämlich 3.000 Euro. Also sagten wir: „Okay, das, was wir ohnehin selbst ins Album stecken würden, können wir auch beisteuern und den Rest von Fans finanzieren lassen, denen wir dafür exklusive Packages des Albums bieten“. Und das hat im Endeffekt dann auch deutlich besser funktioniert als erwartet. Ich war anfangs wirklich skeptisch und am Ende umso begeisterter. Aber ich glaube, das Zeitfenster war auch günstig. Als wir mit dem Crowdfunding anfingen, hatten nur sehr wenige Metal-Bands diesen Schritt gewagt. Mittlerweile sind das mehr geworden, von denen auch viele an zu ambitionierten Projektzielen scheitern. Ziemlich ärgerlich ist allerdings unter‘m Strich, dass die Crowdfunding-Plattform wohl zurzeit in Zahlungsschwierigkeiten ist und wir auf das Geld immer noch warten. Da kann man froh sein, ein Label zu haben, das einspringt.

Habt ihr alles im Big Easy Studio aufgenommen?

Nicolao: Wir machen uns moderne Technologie zunutze und nehmen möglichst viel in einem Home-Recording-Prozess auf. Für das Schlagzeug haben wir uns ins Big Easy Studio eingenistet, wo am Ende auch der Mix des Materials stattfand. Bass und Gitarren wurden über mein mobiles Aufnahme-Equipment eingespielt. Den endgültigen Sound dieser beiden Instrumente haben wir durch eine Re-Amping-Session im Studio durchgeführt, bei der das digitale Signal wieder durch einen Gitarrenverstärker geschickt wird, vor dem ganz traditionell Mikrofone stehen.

Andreas: Der Vorteil ist, dass wir das Budget so im Endeffekt für die Postproduktion und den Gesamtsound ausgeben und nicht für die reine Zeit, in der wir an den Gitarrenspuren schrauben. Gerade wenn man wie wir einige Kilometer auseinander wohnt und das Studio sehr abgelegen ist, macht dies einem das Arbeiten schon angenehmer. Den Mix des Albums hat Michael Haas gemacht, dessen unglaublich unaufgeregte und kreative Arbeitsweise ich einfach mal erwähnen muss. Für das Mastering haben wir netterweise den legendären Dan Swanö gewinnen können.

Welche Anekdoten gibt es aus dem Studio zu berichten?

Andreas: Eigentlich keine besonderen, ehrlich gesagt. Einer aus der Band hat sich als Arachnophobiker herausgestellt und einmal kam Nico einem Pferd etwas zu nahe. Das war aber auch alles.

Mit welchen Herausforderungen hattet ihr zu kämpfen?

Andreas: Näher beieinander zu wohnen, würde vieles einfacher machen, denke ich. Und der Krankheitsfall zuhause hat natürlich auch nicht geholfen.

Wird es Steorrah bald auch wieder live zu sehen geben?

Andreas: Definitiv. Zuerst stehen Release-Shows in Siegen und Bonn an, alles weitere ist noch in Arbeit.

Und zum Abschluss: Wie sollte der Satz "Musik ist…" vollendet werden?

Nicolao: …in einem Satz nicht zu beschreiben!

Andreas: …entweder mit „der Seufzer der bedrängten Kreatur. Der Geist geistloser Zustände“ oder aber einfach nur mit einem Ausrufezeichen.



Interview: Lea S.
Fotos: taken & (c) by David Porschen
Website Band: www.steorrah.com

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