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Unzucht (I)
Interview mit Unzucht, August 2013, mailer



Erst im vergangenen Jahr überraschte die Band Unzucht mit ihrem Debüt "Todsünde 8" die schwarzgesinnte Hörerschaft. Nun, anno 2013, gibt es bereits Nachschub. Einen ersten Vorgeschmack aufs neue Album "Rosenkreuzer" boten die vier Dark-Rocker aus Hannover kürzlich bei ihrem Quasi-Heimspiel auf dem M'era-Luna-Festival.


Was habt ihr aus dem bisherigen Festivalsommer für euch mitgenommen? Was waren eure persönlichen Highlights?

Der Schulz: Beim WGT vor Tausenden von Leuten in der Agra-Halle zu spielen, war schon ein unglaublich geiles Erlebnis, aber das M'era Luna war vom Feeling her das absolute Live-Highlight in der Bandgeschichte. Auf, vor und hinter der Bühne – es war einfach unfassbar! Dabei mangelte es uns ja nicht an genialen Konzerterlebnissen in den letzten Jahren, aber das war echt eine bisher noch nicht dagewesene Dimension.

In welchem Zeitraum ist bei all den Konzerten das neue Album "Rosenkreuzer" entstanden? Sprich: Wann wurden die neuen Songs geschrieben und wer von euch hatte welche Aufgabe inne?

Der Schulz: Im Wesentlichen haben wir mit dem Songwriting nach der "Darkness Kills"-Tour Ende Februar begonnen. Maßgeblich trug De Clercq in der Zeit seine Ideen zusammen, und dann setzten wir uns zusammen, um sie fertigzuschrauben sowie die Melodien und Texte zu schreiben.

De Clercq: Ich befinde mich eigentlich immer im Songwriting-Prozess und bin auf der Suche nach neuen Sounds und elektronischem Wahnsinn. Ständig nehme ich neue Ideen auf und singe Skizzen aufs Handy – sei es im Nightliner, bei den Dark-End-Festivals oder im Tourbus. Zusammengeschraubt wurden die "Rosenkreuzer"-Songs dann aber erst nach den Touren.

Inwiefern hat sich an eurer Herangehensweise seit dem Debüt "Todsünde 8" (2012) etwas geändert?

Der Schulz: Im Grunde genommen ist es so geblieben wie bisher – nur der Zeitrahmen war super eng. Für das erste Album hatten wir jahrelang Zeit, diesmal kamen wir vor lauter Touren nicht vorher zum Schreiben. Aber Ende Mai war das Album fertig eingespielt, also drei Monate nach Beginn des Songwritings. Schön zu wissen, dass wir so schnell so gut arbeiten können.

De Clercq: Konzentriertes Arbeiten an den Songs war Grundvoraussetzung, Segen und Fluch in einem. Es gab ein wochenlanges Dauerfeuer im heimischen Studio, wo ich die meiste Zeit mit unserem Basser Blaschke komponiert habe, um dann gemeinschaftlich die Werke zu vollenden.

Worauf habt ihr diesmal den musikalischen Fokus gesetzt im Vergleich zum Vorgängeralbum?


Der Schulz: Wir haben einfach unsere Lieblingssongideen fertig geschrieben und darauf geachtet, uns selbst wieder keine Grenzen aufzuerlegen. Das Album wird wieder unberechenbar und mit der ganzen Bandbreite menschlicher Emotionen außer Schadenfreude daherkommen. Wir gehen in allen Bereichen einige Schritt weiter als bei "Todsünde 8".

Der Clercq: Klanglich sind wir reifer, runder und erwachsener geworden. Erdige, teils brachiale Gitarren treffen auf neue Klangfarben und elektronische Verspieltheit, ohne altbewährte Sounds zu vergessen. Leichtfüßig schön, bombastisch und bedrohlich klingt die Platte. Es war mir persönlich sehr wichtig, neue Akzente zu setzen und die musikalische Muttererde mit unseren Emotionen, Wagemut und Wahnsinn zu bepflanzen.

Textlich werden Themen wie Vergänglichkeit, Angst, Schmerz und Verlust verarbeitet. Warum so negativ? Auf welche Inspirationsquellen habt ihr zurückgegriffen?

Der Schulz: Bei mir sind immer das Leben und das, was ich beobachte und erlebe, die Hauptquelle für Texte. Ich kann nur aus echten Emotionen heraus texten. Ich bin nicht so der Geschichtenerfinder.

De Clercq: Ich lasse mich gern von all dem Leben um mich herum inspirieren und versuche diese Bilder im Kopf aufs Papier zu bringen.

Wie viel Persönlichkeit steckt in den Texten?

Der Schulz: Letztes Jahr ist einer meiner besten Freunde und Musikerkollegen in meiner langjährigen Solo-Band völlig unvorhersehbar verstorben. Die Verarbeitung dieses einschneidenden und schrecklichen Erlebnisses zieht sich durch viele Lieder des neuen Albums, ohne aber wirklich komplett persönlich zu werden. Es geht mir mehr darum, das Thema allgemein zu verarbeiten, damit die Songs auch anderen Menschen ein Trost oder Werkzeug zur Verarbeitung sein können.

Basiert das Album auf einem Konzept oder steht jeder Song für sich selbst?

Der Schulz: Ein Konzept gibt es nicht, aber die Thematik ist schon homogen im Bereich "bewusst Leben im Angesicht von Tod und Vergänglichkeit". Aber es gibt auch wieder jede Menge wilde, durchgekrachte und schwarzironische Texte, gerade in den Songs, in denen De Clercq stärker am Gesang beteiligt ist, wie z.B. "Triebwerk" oder "Angst".

De Clercq: Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte, musikalisch wie textlich.

Wie darf an dieser Stelle der Albumtitel "Rosenkreuzer" interpretiert werden?

Der Schulz: Als Band muss man verschworen sein und zusammenhalten wie Pech und Schwefel – ähnlich wie ein Geheimbund oder eine Bruderschaft.

Geheimbünde, mystische Orden, Verschwörungstheorien: Ist das etwas, womit ihr euch auch privat befasst?

Der Schulz: Nicht so sehr. Ich bin aber sehr geschichtsinteressiert und gehe den Dingen gerne auf den Grund, um mir dann mein eigens Urteil zu bilden.

Welche Themen würden niemals ihren Weg auf ein Unzucht-Album finden? Wie ist es etwa um das Thema Politik bestellt?

Der Schulz: Es gibt keine Tabuthemen, aber Politik passt bei uns nicht rein, wie wir finden. Klar kann man eine Menge zwischen den Zeilen herauslesen, aber im Augenblick passt es für uns nicht zusammen, bei der Unzucht politische Statements abzugeben. Es geht aber oft um ethische Prinzipien, aus der ja zwangsläufig gute Politik resultieren würde.

Bei der Aufnahme der neuen Platte habt ihr auf die Unterstützung von Willi Dammeier (u.a. Apoptygma Berzerk, Dimmu Borgir) zurückgegriffen. Warum fiel die Wahl auf ihn und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

De Clercq: Willi ist ein langjähriger Freund und wir haben auch schon die "Todsünde 8" mit ihm aufgenommen. Von daher fiel uns die Wahl des Studios leicht. Willi kennt unseren Sound und im "Institut für Wohlklangforschung" fühlen wir uns wohl.

Wann fanden die Aufnahmen der 13 neuen Songs statt und welche Herausforderungen musstet ihr dabei bewältigen?

Der Schulz: Aufgenommen haben wir im Mai. Die Herausforderung war es, sich die Stücke zu eigen zu machen – immerhin hatten wir sie noch nie live gespielt und alles war total neu für uns. Aber es war auch ein superinteressanter Prozess, wie man z.B. innerhalb weniger Gesangtakes in den Song reinfand.

Blaschke: Das Zueigenmachen der Songs war wohl eine der größten Herausforderungen. Ich erinnere mich daran, wie Fuhrmann und ich uns drei Wochen im April im Proberaum eingeschlossen und die Rhythmusfraktion geprobt haben. Auch wenn wir die Demos rauf und runter hörten: 13 Songs in kurzer Zeit im Schlaf spielen zu können, sollte geprobt werden!

Welche Anekdoten gibt es aus dem Studio zu berichten?

Blaschke: Wir waren Tag ein Tag aus im Studio, haben dort auch genächtigt und ein Teil von uns hat sogar dort gewohnt! Aber es gab immer wieder Momente mit kreativem Leerlauf, in denen wir in uns gegangen sind. Das endete eines Abends mit einer langen regnerischen Nacht auf der Suche nach einer Kneipe, die De Clercq und mir noch einen Drink machen würde. Ende der Geschichte: 04:30 Uhr, Proberaum, Wodka-Lemon, Schnupfen.

Euer persönliches Song-Highlight und warum?

Der Schulz: Das ist super schwer zu sagen. Ich habe jede Menge Highlights, aber allen voran "Nur die Ewigkeit", weil der Song am stärksten im Gedenken an meinen Freund geschrieben ist und das Gefühl offenbar sehr gut transportiert, wie wir aufgrund der Livereaktionen und der Reaktionen auf das Video sehen können.

De Clercq: Das ist in der Tat schwer. Ich habe viele Highlights auf der Platte. "Mit dir oder ohne dich" sticht bei mir heraus, denn hier treffen gnadenlos alle Spitzen von böse bis wunderschön aufeinander. Oh ja, das liebe ich!

Blaschke: Mein persönliches Highlight: "Mit dir oder ohne dich". Der Anfang ist nicht das, was man bei dem Titel erwarten würde. Er springt dir ins Gesicht, krallt sich fest, kratzt dich blutig, um dir dann am Ende liebevoll und leidenschaftlich die Wunden zu küssen!

Mit "Entre Dos Tierras" habt ihr einen Song von Héroes Del Silencio gecovert. Wie kommt's?

Der Schulz: Der Song ist einfach ein genial komponiertes und arrangiertes Stück Musik. Und irgendwann sagten die anderen zu mir: "Hey, willst du nicht mal deine spanischen Roots ausleben?" Ich freue mich sehr, denn der Song passt einfach wie die Faust aufs Auge zu uns. Ich bin echt gespannt, was der spanische Teil meiner Familie dazu sagt.

Gibt es eine Verbindung zu eurem Song "Zwischen den Welten", der auch auf dem Album zu finden ist?

Der Schulz: Eigentlich nicht, außer dass "Entre Dos Tierras" ja zu Deutsch "Zwischen zwei Welten" heißt. In "Zwischen den Welten" geht es darum, wieder Hoffnung zu wecken, wenn man nach großen Schicksalsschlägen im luftleeren Raum steckt und alles völlig surreal ist. In "Entre" geht es indes darum, dass jemand sagt, er habe keine Schuld daran, den anderen fallen zu sehen, und ihm gute Ratschläge gibt, wie er das künftig verhindern kann.

Inwiefern ist noch ein kleiner Vorgeschmack aufs neue Album in Form von Single und Video eingeplant?

Fuhrmann: Als Vorgeschmack haben wir als exklusive Live-Premiere bereits "Nur die Ewigkeit" beim M'era Luna gespielt – und dieser Song wird auch online der Vorgeschmack auf das Album sein. Noch bevor das "Rosenkreuzer"-Album das Licht der Welt erblickt, werden wir "Nur die Ewigkeit" als Gratis-Download veröffentlichen. Ich finde solche Aktionen immer toll. Zum Beispiel haben Blaschke und ich bei unserem dreiwöchigen Proberaumaufenthalt auch immer zwischendurch in unseren Trinkpausen (also OFT) den neuen Filter-Song gehört, den die Band im Frühjahr als Gratis-MP3 rausgehauen hatte. Auch ein Video haben wir zu "Nur die Ewigkeit" gedreht, das es vorab zu sehen geben wird. Dahinter verbirgt sich aber mal was anderes, also kein Performance-Video. Lasst euch überraschen!

Wer zeichnete für das Cover-Artwork der neuen Platte verantwortlich?

Fuhrmann: Das Artwork ist von einer sehr ambitionierten Agentur aus Paris, Strychneen Studio, um genau zu sein von Hicham Haddaji. Großartig, was da so an Kunst entsteht – insbesondere Albumcover und überhaupt viele musikbezogene Sachen.

Im November und Dezember geht es auf große Deutschland-Tour. Was erwartet uns bei den Headliner-Shows?

De Clercq: Ein Feuersturm durch alle Gliedmaßen – schweißtreibend und energetisch!

Fuhrmann: Zum einen werden wir ein extra langes Set spielen, da wir ja diesmal alleiniger Headliner sind – also auf jeden Fall noch länger als auf der "Darkness Kills"-Tour. Alle unsere Fans kommen definitiv auf ihre Kosten. Zum anderen haben wir auf der ganzen Tour Your Army aus England als Support dabei, eine tolle Band, und dann bei manchen Terminen auch noch Vlad In Tears und Darkhaus als zusätzliche Special Guests.

Wann gibt es bei euch demnächst mal eine Verschnaufpause? Freizeit? Urlaub?

Der Schulz: Ich bin Mitte September auf jeden Fall kurz bei der Familie in Spanien. Da wird dann bei der Weinernte mitgeholfen und natürlich auch Platz für den neuen Wein in den Fässern geschafft.

De Clercq: Urlaub? Brauche ich nicht!

Blaschke: Freizeit? Urlaub? Immer her damit! Aber wir haben noch einiges vor, da verzichtet man gerne mal.

Zum Abschluss: Wie würdet ihr den Satz "Musik ist…" vollenden?

Der Schulz: …mein Leben.

De Clercq: …Liebe.

Blaschke: …mein Antrieb.



Interview: Lea S.
Fotos: taken & (c) by Holger Bücker
Website Band: www.unzucht-music.com


(c) Zillo Musikmagazin / Ausgabe 10/13 / www.zillo.de

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