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Unzucht (II)
Interview mit Daniel Schulz [Unzucht], 09.01.2014, Windeck/Kabelmetal



Für die erste Show im neuen Jahr reisten die Dark-Rocker der Unzucht aus Hannover ins beschauliche Örtchen Windeck – mitten im Grünen zwischen Bonn und Siegen. Dort traf ich Sänger Daniel Schulz vor dem Auftritt zu einem kleinen Plausch über die Songwriting-Prozesse der Band, sein Solo-Projekt Der Schulz und Immunsystem-Stärkungsmethoden für Rocksänger.

Daniel, heute spielt ihr die erste Show im neuen Jahr. Was erwartet uns?

Daniel: Wir haben gestern nachgezählt – es ist unsere 111. Show. Deshalb muss natürlich ein bisschen gefeiert werden. Bei uns ging ja alles recht fix. Diese 111 Shows gelten für vier Jahre, die wir nun schon touren. Im Dezember 2009 hatten wir bei einer Regionalveranstaltung unseren ersten Auftritt vor gut 600 oder 700 Leuten. Dann gab es irgendwann ein Voting auf Myspace – als die Plattform noch lebte – und darüber wurden wir auf's M'era Luna gewählt. Dort fand als Samstag-Opener unser sechster Auftritt statt.

Mittlerweile scheint ihr nur noch auf Tour zu sein…

Daniel: Ja, das ist total abgefahren! Es ging wirklich alles sehr schnell. Unser dritter Auftritt war auf dem Rockharz, der fünfte beim Masters Of Rock in Tschechien und dann kam schon das M'era Luna. Irgendwie ergab ein Auftritt den nächsten. Vorher spielten wir auch schon in Bands und so kennt man natürlich ein paar Musiker wie etwa Lord Of The Lost, mit denen wir dann zusammenspielten genauso wie mit Lacrimas Profundere und Stahlmann. Wir konnten damals alles aus eigener Kraft organisieren und die Szene nahm uns prima auf. Dann spielten wir irgendwann als Support für Mono Inc. in Hameln und im Anschluss erhielten wir ein Angebot von deren Plattenfirma. Das fühlte sich gut an. Schließlich kam auch noch Extratours mit an Bord.

Hat sich durch den plötzlichen Erfolg etwas in deinem Privatleben verändert?

Daniel: Musik mache ich schon ewig und da ich es ernst meine, widmete ich dem Ganzen schon immer viel Zeit. Deshalb hat sich in meinem Privatleben gar nicht so viel verändert. Nur wenn man auf Tour ist oder eine Platte herausbringt, ist es anders: Es gibt einfach so viel Reaktion und positives Feedback von den Leuten. Das ist cool! Unsere aktuelle erste Headliner-Tour startete Ende November unglaublich stark in Köln. Mit von der Partie waren Vlad In Tears, Darkhaus und Your Army. Mit allen Bands kamen wir sehr gut klar. Das ist ein Miteinander, kein Gegeneinander!

Und heute für die erste Show im neuen Jahr seid ihr direkt aus eurer Heimat Hannover angereist?


Daniel: Genau! Gestern haben wir noch in Hameln geprobt und sind heute Morgen von dort losgefahren.

Beim Soundcheck gab es vorhin ein paar technische Probleme, habe ich gehört…

Daniel: Keine Ahnung, was da genau mit der Technik los war. Ich bin ja nur der Sänger. [lacht] Das digitale Mischpult wurde umgeräumt und dabei hat es sich wohl umprogrammiert. Deshalb musste alles nochmals komplett von vorne gestartet werden.

Du spielst gar kein Instrument?


Daniel: Doch, ich spiele Gitarre, aber nicht bei Unzucht. Ich habe noch ein Solo-Projekt, das schon länger als die Band existiert, und dort spiele ich Gitarre und singe. Das Projekt heißt Der Schulz.

Wie gehst du beim Songwriting vor?

Daniel: Wenn ich Songs schreibe, dann auf der Gitarre. Die meisten Instrumentalsachen kommen allerdings von unserem Gitarristen Daniel de Clercq. Er bringt zahlreiche Impulse ein und kommt teilweise auch schon mit fertigen Playbacks, Textideen und Gesangsmelodien an. Dann setzen wir uns zusammen und machen die Songs fertig.

Nur ihr beide?

Daniel: Es darf jeder mitmischen und es ist auch von jedem etwas in der Musik drin. Daniel ist zwar oft maßgeblich, aber die meisten Texte und Gesangsmelodien kommen von mir. Doch jeder, der will, schreibt mit. Das genieße ich auch sehr, denn immer nur aus dem eigenen Kopf zu schöpfen, ist auf die Dauer langweilig. Was ich schon immer an der Unzucht geil fand, bereits als wir das erste Demo aufnahmen: Ich konnte mir die Musik stets anhören! Normalerweise kann ich mir meine eigene Musik ganz schlecht anhören. Ich habe auch keine Bilder von mir an der Wand hängen, auch wenn ich ziemlich gut zeichne.

Sprich, du kannst deine eigene Stimme nicht hören?

Daniel: Ja, die eigene Musik hört man natürlich super oft beim Mischen im Studio oder beim Spielen. Bei einem Sänger mag es vielleicht auch noch ein wenig extremer sein als bei einem Instrumentalisten, ich weiß es nicht.

Gehst du neben der Band noch einem regulären Job nach?


Daniel: Nein, ich habe schon vor über zehn Jahren meinen zivilen Beruf geschmissen, weil es mir mit der Musik ernst war. Ich nahm ziemlich lange klassischen Gesangsunterricht und irgendwie fragten mich dann viele Kollegen um Rat, so dass ich nebenbei anfing, selbst zu unterrichten. So machte ich mich damals mit Musik selbstständig – als Gesangslehrer und Sänger in verschiedenen Bands.

Und das funktioniert?

Daniel: Ja, das funktioniert. Aber im Augenblick ist es ziemlich schwer, weil die Unzucht so raumgreifend ist und ich kaum noch unterrichten kann. Somit habe ich momentan keine Schüler und mache auch keine Werbung dafür. Da mit Unzucht so viel ansteht, schaffe ich es gerade noch hin und wieder mit meinem Solo-Projekt zu spielen, wenn Anfragen reinkommen. Ich frage mich schon ernsthaft, wann ich das nächste Album vom Schulz aufnehme, das schon längst fertig komponiert in der Schublade liegt. [lacht]

In welche Richtung geht es musikalisch?

Daniel: Ich komme aus dem Deutsch-Rock-Bereich, wobei Deutsch-Rock mittlerweile eine andere Färbung hat. Ich nenne mich Singer-Songwriter-Rock'n'Roller. Die Songs schreibe ich komplett allein. Das Projekt gibt es verstärkt mit E-Gitarre, Schlagzeug und Bass, aber vor allen Dingen auch unplugged. Denn Eric Fish, den ich schon ewig kenne, hörte das, war begeistert und lud mich auf Tour ein. So geriet ich in die Unplugged-Szene…

Und du zeichnest auch, hast du eben erwähnt…

Daniel: Ganz selten. Früher habe ich Comics gezeichnet, viele Plakate entworfen und teilweise auch Kulissen für Puppentheater.

Kommst du aus dem Grafikbereich?

Daniel: Nee, gar nicht. Ich konnte das einfach und es machte mir Spaß. Jetzt ist nur leider kaum noch Zeit dafür. Ab und zu ist es ein nettes Hobby oder ich erhalte einen Zeichenauftrag. Ich habe früher auch viel im Fantasy-Bereich gezeichnet. Irgendwann musste ich mich jedoch entscheiden: Am Schreibtisch sitzen ist zwar schön, aber mit Leuten durch die Gegend zu ziehen und Musik zu machen, ist geiler. [lacht]

Bist du lieber "on the road" als zuhause?

Daniel: Ich genieße beides. Ich liebe es, auf Tour sein. Studio macht aber auch Spaß und Komponieren ist mit das Schönste, was es gibt. Doch ich liebe es auch, nach Hause zu kommen. Ich bin ein Zigeuner, der eine Heimat braucht.

Wie oft siehst du denn deine Wohnung aktuell?

Daniel: Och, ziemlich oft sogar. Meistens sind wir nur die verlängerten Wochenenden unterwegs, wir proben um die Ecke und Komponieren kann man zuhause. Die meisten von uns wohnen in Hannover-Hameln und wenn wir proben, gibt es Block-Proben.

Wie kommst du auf Songideen?

Daniel: Die Ideen kommen immer in den verrücktesten Situationen: beim Kochen…

…beim Duschen?

Daniel: Da auch, aber ich wollte grade was anderes sagen. [lacht] Die Ideen nehme ich auf und wenn es dann wirklich darum geht, Songs zu machen, höre ich alle Ideen nochmals durch – wie Daniel auch – und wir tragen sie zusammen. Das letzte Album haben wir super schnell geschrieben. Ein Song war noch von der letzten Session übrig und es gibt eine Cover-Version, obgleich diese fast schon aufwändiger war zu arrangieren, als einen neuen Song zu schreiben.

Die Cover-Version ist in deiner Muttersprache, oder?

Daniel: Ja, aber ich spreche sie nicht lupenrein. Ich bin hier aufgewachsen. Meine Mutter spricht perfekt Deutsch, obwohl sie aus Galicien kommt. Dadurch habe ich Spanisch nie ganz perfekt gelernt.

Zurück zum "Rosenkreuzer"-Album…

Daniel: Wir trugen das ganze Jahr über Ideen zusammen, aber ernsthaft hingesetzt haben wir uns erst nach der "Darkness Kills"-Tour Ende Februar, und Ende Mai war das Album fertig aufgenommen. Wir achteten allerdings permanent darauf, dass es sich gut anfühlte, sonst hätten wir sofort die Notbremse gezogen.

Habt ihr auch schon wieder Songs für ein Nachfolge-Album beisammen?

Daniel: Natürlich tragen wir schon wieder Ideen zusammen, aber ich habe da momentan keinen Überblick, was Daniel und mir bereits vorliegt. Wir nehmen einfach immer Ideen auf, manchmal auch schon komplette Songs – aber dann weiß ich noch lange nicht, ob es ein Unzucht-Song ist oder eher etwas fürs Solo-Projekt. Die Texte schreibe ich meistens erst, wenn wir wirklich am Songwriting dransitzen.

Auf welche Inspirationsquellen greifst du zurück?

Daniel: Manchmal notiere ich mir Zitate, die mich beeinflussen. Daniel hat auch so ein Notizbuch – oder Ideen werden ins Handy getippt. Mich inspirieren Filme und das Leben an sich. Letztes Jahr ist z.B. der Gitarrist meiner Solo-Band mit 35 Jahren plötzlich verstorben. Danach konnte ich erst einmal drei oder vier Monate gar nicht mehr schreiben. Als schließlich die Komponier-Session stattfand und Daniel die Musik für "Nur die Ewigkeit" umprogrammierte, schrieb ich in 20 Minuten den kompletten Text. Er floss mir einfach so aus der Feder. Das sind magische Momente!

Welche Themen würdest du niemals in einen Unzucht-Song packen?

Daniel: Emotionell machen wir alles – vom Wahnsinn, über Melancholie bis hin zu schönen Themen, Liebe und Tod. Eigentlich gibt es keine Grenzen, aber Politik passt nicht so gut bei uns rein. Mein Ansatz ist einfach eher ethisch und philosophisch. Politik liest man bei Unzucht höchstens zwischen den Zeilen heraus. Die Unzucht-Texte widersprechen sich aber auch nie mit meinen Schulz-Texten. Sie sind nur anders.

Steckt auch viel Persönlichkeit in deinen Texten?


Daniel: Ja, ich bin kein Geschichtenerzähler. Aber ich glaube, in Wirklichkeit ist das kaum einer. Jeder schreibt aus einer Emotion heraus, wenn es die Leute wirklich packen soll. Es gibt immer Themen, die einen beschäftigen und die man verarbeitet – zumindest bei mir ganz extrem. Ich traf bisher auch noch niemanden, mit dem ich zusammen getextet habe und bei dem es anders gewesen wäre. Manchmal sind sich die Leute dessen vielleicht gar nicht bewusst. Viele sagen eventuell auch aus Selbstschutz: Nee, nee, das ist nicht so! Es muss ja auch nicht alles autobiografisch sein. Der Song "Nur die Ewigkeit" handelt auch nicht 1:1 von Hagen, sondern einfach nur über Gedanken und Gefühle, die ich zu dem Thema hatte, wenn man spontan einen Menschen verliert.

Mit wem würdest du gerne mal zusammen schreiben bzw. ein Duett singen?

Daniel: Wow, das ist echt 'ne schwere Frage. Da gibt es ganz viele, z.B. Trent Reznor. Ich glaube, das würde jeder von uns sofort machen. [lacht] Aber es gibt echt so viele, auch szenefremde Persönlichkeiten. Ich fand es schon super geil, mit Eric Fish ein Duett aufzunehmen. Die Kooperation mit Martin von Mono Inc. war auch schön.

Was hörst du privat daheim?

Daniel: Komplett crossover. Ich bin da nicht festgefahren, im Gegenteil! Um das, was ich mache, frisch zu halten, muss ich teilweise auch Kontraste hören. Ich höre viel atmosphärische Musik, die den Kopf, die Gedanken und vor allem das Gehör reinigt. Wenn ich grade von einer Tour komme, könnte ich mir nicht unbedingt E-Gitarren-Musik anhören. Meine Cousine in Spanien ist z.B. ausgebildete Sopranistin und widmet sich mit ihrer Band mittelalterlichen, klassischen und teilweise auch gregorianischen Klängen. Ich höre mir tatsächlich ganz viel meine Cousine zuhause an. [lacht] Aber einer meiner absoluten Gesangsgötter ist ein Flamenco-Sänger, der bereits vor vielen Jahren starb: Camarón de la Isla. Seine Stimme ist unnachsingbar.

Übst du zuhause viel gesangsmäßig?

Daniel: Ehrlich gesagt wenig. Nichtsdestotrotz singe ich unglaublich oft, nehme die Gitarre und spiele oder coache irgendwelche Leute, was mich wiederum auch trainiert. Manchmal, wenn ich eine lange Pause hatte, muss ich die Stimme aber langsam wieder anwärmen. Reines Üben mache ich hingegen ganz selten.

Und wie hälst du als Sänger alle Viren von dir fern, damit du auf Tour nicht krank wirst?

Daniel: [lacht] Man kann sich leider nicht von allem abkapseln, aber man kann sein Immunsystem trainieren. Ich bin grundsätzlich relativ anfällig, da ich Atemwegsallergien habe. Mein Immunsystem stärke ich, indem ich kalt dusche…also immer zum Abschluss. Und am 2. Januar bin ich das erste Mal in diesem Jahr in die Ostsee gesprungen! Ein Arzt gab mir einst den Tipp, einfach mal kaltes Wasser zu genießen oder zwischendurch in die Sauna zu gehen. Letzteres schaffe ich allerdings nur selten. Ansonsten mache ich mir aber auch keinen großen Kopf bzgl. Viren. Das bringt auch nichts. Ich will nach Konzerten Kontakt zu den Fans haben. Wir stehen dann wirklich stundenlang am Merchstand und umarmen die Leute…

Werden eure Fans denn auch nach Windeck finden? Wir sind hier ja echt im Nirgendwo…

Daniel: Schwer zu sagen. Wir spielen hier das erste Mal und der Laden ist auch noch neu. Aber ich glaube, der Vorverkauf war ganz okay und mal schauen, was noch an der Abendkasse passiert. Ich finde es immer positiv, wenn neue Clubs aufmachen...



Interview & Fotos: Lea S.
Website Band: www.unzucht-music.com

(c) Zillo Musikmagazin / www.zillo.de

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