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Winterland
Interview mit Winterland, April 2014, mailer



Vier Jahre nach „Alles geht“ veröffentlichen die Deutschrocker von Winterland nun, anno 2014, endlich ihr Nachfolge-Album „Ein Leben lang“. Und das Warten hat sich gelohnt, denn immerhin umfasst die neue Platte 17 düster-angehauchte Rocksongs plus Bonustracks, über denen die warme Bariton-Stimme von Sänger Stephan Hugo schwebt. Im Interview verrieten er und seine Bandkollegen, worauf sie diesmal den musikalischen Fokus gesetzt haben, welche Themen niemals Platz in einem Winterland-Song finden würden und warum man auf die Unterstützung eines externen Produzenten verzichtete.

Doch zuerst die Frage: Warum mussten wir so lange auf eine neue Platte warten?

Markus: Das habe weitgehend ich zu verantworten. Zusätzlich zu meinem Vollzeitjob und Winterland war ich verrückt genug, berufsbegleitend noch eine Doktorarbeit verfassen zu wollen. Ich wusste, dass ich vor der Abgabe der Arbeit keinesfalls genug Zeit für Promo-Aktivitäten und -Termine haben würde. Insofern haben wir die Fertigstellung der Dissertation erstmal abwarten müssen. Das hatte aber immerhin den Vorteil, dass wir im Laufe der letzten vier Jahre sehr viele Ideen sammeln konnten, aus denen wir dann die besten Songs fürs Album ausgewählt haben.

Eure ersten Alben waren noch auf Englisch. Welche Vor- und Nachteile habt ihr durch den Wechsel zur deutschen Sprache erfahren?

Markus: Eigentlich nur Vorteile. Die Texte sind eine ganz wichtige, tragende Säule bei Winterland. Und seit wir diese in unserer Muttersprache verfassen, erleben wir auch viel mehr, ausschließlich positives Feedback zu unseren lyrischen Ergüssen.

Worauf habt ihr diesmal den musikalischen Fokus gesetzt im Vergleich zum Vorgänger-Album?

Stephan: Ganz klar auf die Melodien. Markus sucht ja immer ganz verzweifelt nach der viel zitierten „Hookline“, womit wir anderen Bandmitglieder ihn oft auf die sprichwörtliche Schippe nehmen.

Thomas: Im Endeffekt machen solche kleinen „melodischen Anker“ wie das dezente Klavier in Verbindung mit dem Chor im Intro von „Ein Leben lang“ oder auch die Hookline von „Wer weiß wohin“ aber tatsächlich das Salz in der melodischen Suppe aus.

Gab es eine neue Herangehensweise beim Songwriting? Wie seid ihr hier vorgegangen? Wer hatte welche Aufgabe inne?

Stephan: Eine vorgegebene Aufgabenteilung gibt es eigentlich nicht. In der Regel schreibt Markus die Musik für einen Song, die meist auf Basis einer Melodielinie entsteht (da ist sie wieder, die „Hookline“). Auf Basis der Grundstimmung des jeweiligen Songs gehen wir dann die Texte an.

Markus: Ein paar Texte aus der anfänglichen Entstehungsphase des Albums stammen noch von Stephans Vorgänger Thorsten Fries. Er hat übrigens in der Zwischenzeit eine eigene Band namens Nchtgreif am Start, deren Album „Unter Strom“ beim gleichen Label Ende Mai veröffentlicht wird.

Inwiefern beeinflusst Neuzugang Thomas Rieder am Schlagzeug den aktuellen Sound von Winterland?

Stephan: Thomas ist erst letztes Jahr neu zur Band dazu gestoßen und konnte sich am Songwriting und -arrangement insofern nur bei einem Teil des Materials miteinbringen. Gerade bei dem Titel „Tagträumer“ mit vielen Percussion- und Ethno-Elementen hört man aber schon sehr deutlich, dass sein stilistisches Spektrum überaus breit ist und unseren Songs rhythmisch viel mehr Dynamik und Finesse verleiht, als es früher vielleicht der Fall war.

Markus: Letzte Woche ist übrigens auch ein ebenso versierter wie netter Bassist namens Harald Pfeil zu unserer Band dazu gekommen und wir hoffen, dass wir unser nächstes Album dann ganz klassisch-altmodisch als Band im Proberaum entwickeln können.

Was waren die Inspirationsquellen für die Texte? Wie viel Persönlichkeit steckt in ihnen?

Stephan: Grundsätzlich sind wir keine Geschichtenerzähler, vielmehr handeln unsere Texte von dem, was uns persönlich berührt und beschäftigt. Bei allen sozialkritischen Untertönen achten wir grundsätzlich immer sehr genau darauf, dass die Aussagen ganz persönlich sind und bleiben. Nur so kann man auch hundertprozentig hinter seinen Texten stehen.

Welche Themen würden niemals Platz in einem Winterland-Song finden?

Markus: Gute Frage… Populismus im weiteren Sinne, würde ich mal sagen.

Stephan: Na ja, den klassischen „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Text wird man bei Winterland wohl auch vergeblich suchen. [lacht]

Inwiefern gibt es einen roten Faden, der alle Songs verbindet, oder steht jeder Track für sich selbst?

Thomas: Der rote Faden textlicher Art ist die oft besungene „Reise“, deren Weg das Ziel ist. Deshalb auch das CD-Cover mit der Nachtaufnahme einer Autobahn.

Stephan: Auch verschiedene melodische Fragmente greifen wir in mehreren Songs auf. Beispielsweise wird die Hookline von „Ein Leben lang“ im Song „Wer weiß wohin“ aufgegriffen und variiert, und die „Reise“ spielt in beiden Refrains und auch beim „Abendstern“ eine Rolle. Wir haben zwar kein klassisches Konzeptalbum geschrieben, die Songs sind aber thematisch und melodisch bewusst verbunden.

Wann und in welchem Studio wurde „Ein Leben lang“ aufgenommen?

Stephan: Wir befinden uns in der glücklichen Situation, unsere Alben selbst vorproduzieren zu können. Fertig gestellt und gemastert wurde „Ein Leben lang“ schließlich im Februar 2014 von Mastering-Guru Jürgen Lusky mit analogem Equipment in den Hofa-Studios in Karlsdorf.

Habt ihr Unterstützung von einem externen Produzenten erhalten?

Markus: Nein. Wir wollten die kreativen Zügel ausschließlich selbst in der Hand halten.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Gastmusikern? Welche Herausforderungen musstet ihr bewältigen?

Stephan: Das war und ist total entspannt. Die Meisten haben in unseren Studios ihre Parts eingesungen. Andere wiederum haben aufgrund der großen Entfernung in ihren eigenen Studios aufgenommen und uns dann die Dateien per Mydrive oder Dropbox zukommen lassen.

Markus: Wenn man bedenkt, dass diese musikalischen Gäste ihre Beiträge in Frankfurt, Berlin, Zürich und sogar Norwegen aufgenommen haben, wird klar, wieso der Datenaustausch per Internet die einzige Alternative war. [zwinkert]

Das neue Album zählt insgesamt 17 Songs plus Bonustracks – eine stolze Summe. Konntet ihr euch von keinem Song trennen? Was sind eure persönlichen Favoriten und warum?

Markus: Wir hatten sogar viel, viel mehr Material. Da seien Songs wie „Scheinheilig“, „Irgendwann“, „Es ist an der Zeit“ oder „Gegenwind“ genannt, die es nicht aufs Album geschafft haben. Wieso wir 17 Songs aufs reguläre Album gepackt haben? Ganz einfach: Weil es immer weniger Menschen gibt, die gewillt sind, Geld für Musik zu bezahlen. Und diese Menschen wollten wir einfach damit belohnen, dass es „Value for Money“ gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Meine Favoriten sind „Ein leben lang“ und „Wer weiß wohin“.

Stephan: Favoriten – hm, schwierig... Wenn man intensiv an neuen Songs arbeitet und feilt, sind einem oft die zu diesem Zeitpunkt aktuellen Nummern besonders nah. Mit etwas Abstand betrachtet, sind meine Favoriten „Wer weiß wohin“ und „Ein Leben lang“, weil beide Songs einfach rocken und sehr gut zeigen, wo Winterland seine Wurzeln hat. „Keine Zeit“ mag ich aufgrund seiner musikalischen und gesanglichen Dynamik und seiner textlichen Aussage.

Thomas: Meine Favoriten sind „Ein Leben lang“ und „! (Ausrufezeichen)“: „Ein Leben lang“, weil der Song sehr nach vorne geht und meine geradlinige Art zu trommeln mit am besten repräsentiert. „! (Ausrufezeichen)“, weil es textlich gesehen eine wichtige zeitkritische Aussage transportiert und musikalisch gesehen durch das Klavierarrangement von Günter Werno eine angenehme Abwechslung auf der Platte darstellt.

Wann und wo gibt es die neuen Songs live zu hören?

Thomas: Wir haben gerade erst unsere Livebesetzung mit dem neuen Bassisten vervollständigt, und schon haben wir Kontakt zu einer etablierten Booking-Agentur. Da ist also derzeit Einiges in der Mache.

Und zum Abschluss: Wie würdet ihr den Satz „Musik ist…“ vollenden?

Markus: …meine Leidenschaft und Inspiration.

Thomas: …meine Lebensaufgabe.

Stephan: …die Sprache der Seele.



Interview: Lea S.
Fotos: taken & (c) by Bärbel Gray / BG Photography
Website Band: www.markuspfeffer.com


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